25% Preisabschlag: Mainova einigt sich mit Kartellbehörde, fürchtet aber Millionendefizit

Wasserstreit geht weiter

Trinkwasser sprudelt aus einem Glas - um seine Kosten gibt es Streit. Foto: dpa

frankfurt/Kassel. Der jahrelange Streit um die Wasserpreise in Hessen ist zumindest vorerst in Frankfurt beendet. Der Versorger Mainova senkt seine Trinkwasserpreise von 2012 bis 2014 um jeweils 25 Prozent gegenüber 2011. Für die Jahre 2008 und 2009 bekommen Kunden sogar Geld zurück. Vorausgegangen war ein Kompromiss, den Hessens Wirtschaftsministerium als schönen Erfolg für die Frankfurter lobte. Manager der Mainova hingegen - mehrheitlich ist der Versorger im Besitz der Stadt Frankfurt - ballen die Faust in der Tasche.

„Es war eine Abwägungssache. Wirtschaftlich konnten wir den Schaden so am geringsten halten. Der Kompromiss treibt uns im Privatkundengeschäft aber ins zweistellige Millionenminus“, sagte Mainova-Sprecher Thomas Breuer gestern unserer Zeitung. Man halte das Vorgehen der Landeskartellbehörde beim Wirtschaftsministerium nach wie vor für falsch.

Die Kartellwächter hatten Frankfurts Wasserversorger seit 2002 wegen des Verdachts überhöhter Preise im Visier: Um 37 Prozent - so die Verfügung 2007 - sollte Mainova ihr Wasser billiger liefern.

430 Euro Ersparnis

Jetzt traf man sich bei 25 Prozent: Für einen vierköpfigen Haushalt in einem Einfamilienhaus mit einer Jahresabnahme von 150 Kubikmetern Wasser summiert sich dies bis zum Ende der Kompromisslaufzeit auf rund 430 Euro Ersparnis. Die Mainova, so Sprecher Breuer, „treibt das im Privatkundenbereich noch weiter in die roten Zahlen“. Wenn das Land bei seiner Politik bleibe, werde man die Konzession für Frankfurt kaum über 2016 hinaus verlängern.

2,01 Euro brutto kostet der Kubikmeter Wasser in Frankfurt, 2,14 Euro sind es in Kassel. „Und zwar stabil seit 14 Jahren“, sagt Ingo Pijanka, Sprecher der Städtischen Werke: Kassel steht ebenfalls im Visier der Kartellwächter, auch hier fordert das Land einen Preisabschlag von 37 Prozent. „Geht nicht“, sagt Pijanka, „wir schreiben gerade so eine schwarze Null“.

Anders als Frankfurt haben sich Kassels Versorger dem Zugriff der Kartellbehörde ein Stück weit entzogen, Das Wasser kommt nicht mehr von den Städtischen Werken, sondern von Kasselwasser. Das ist ein Eigenbetrieb der Stadt, nicht privatrechtlich organisiert, sondern öffentlich-rechtlich. Damit kostet das Wasser jetzt keinen Preis mehr, sondern eine Gebühr. Wassergebühren aber prüft - anders als Preise - nicht die Landeskartellbehörde, sondern die Kommunalaufsicht.

Ganz aus dem Schneider ist Kassel mit der Umfirmierung aber nicht. Wie die Verfahren gegen Oberursel, Eschwege, Herborn, Gießen, Wiesbaden und Darmstadt läuft auch das Kartellverfahren gegen die Nordhessenmetropole weiter. Bis zum Oberlandesgericht Frankfurt ist man schon gekommen. Für die Zeit bis zur Neugründung von Kasselwasser kann das Land weiter die 37-Prozent-Senkung durchzukämpfen versuchen.

Von Wolfgang Riek

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