Mit 367.232 Euro pro Jahr Spitzenverdiener

WDR-Intendant Buhrow erhält fast eine Altersversorgung wie der Bundespräsident

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Spitzeneinkommen auch als Rentner: Der WDR hat für die Altersversorgung von Tom Buhrow (55) rund 2,9 Mio. Euro zurückgestellt.

Köln. „Bei uns sitzen Sie in der ersten Reihe“: Auf WDR-Intendant Tom Buhrow trifft der Werbespruch der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zumindest finanziell zu. Mit 367.232 Euro pro Jahr ist der Chef des Kölner Senders der Spitzenverdiener unter den neun ARD-Intendanten.

Für Diskussionen sorgt jetzt die WDR-eigene Altersversorgung für Buhrow (55). In ihrem Geschäftsbericht 2013 hat die Anstalt dafür eine Rückstellung von rund 2,9 Millionen Euro ausgewiesen. Zusätzlich zu seiner gesetzlichen Rente bekäme Buhrow damit eine Art Betriebsrente vom WDR, die sich mit der Altersversorgung des Bundespräsidenten vergleichen lässt.

Die Kanzlerin, ihre Minister und ein Gerichtspräsident 

Das Gehalt von Angela Merkel in ihrer Funktion als Bundeskanzlerin beläuft sich laut Bund der Steuerzahler derzeit auf 17.156 Euro pro Monat. Ginge Merkel jetzt in den Ruhestand, beliefe sich ihr Versorgungsanspruch allein aus den neun Jahren als Bundeskanzlerin auf monatlich rund 6800 Euro (ohne andere Ämter und Mandate, ohne Verrechnungen).

Die Bundesminister erhalten 13935 Euro pro Monat, plus eine jährliche steuerfreie Pauschale von rund 3700 Euro. Wer mindestens vier Jahre lang Bundesminister war, bezieht eine Pension von rund 3860 Euro pro Monat. Mit jedem weiteren Jahr als Regierungsmitglied steigt die Pension um 333 Euro monatlich bis maximal rund 10.000 Euro.

Das Grundgehalt des Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts liegt bei 13.935 Euro monatlich. Zum Ruhegehalt machte der Steuerzahlerbund keine Angaben.

Die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland finanzieren sich zu einem großen Teil über die GEZ-Abgabe, die jeder Haushalt bezahlen muss. Mit 4300 festangestellten und 1900 festen freien Mitarbeitern ist der WDR die größte Rundfunkanstalt des Kontinents, größer ist nur die britische BBC.

WDR-Sprecher Birand Bingül betont, dass es sich bei den 2,9 Mio. Euro für Buhrows Altersversorgung um einen theoretischen Wert handle, nicht um eine tatsächliche Rücklage. Buhrow erhalte das Geld auch nicht auf einen Schlag ausgezahlt, sondern monatliche Zahlungen. Wie hoch die ausfallen, lasse sich noch nicht beziffern.

Auf welcher Grundlage die Buchhaltung auf die Zahl von 2,9 Mio. Euro für Buhrows Altersversorgung kommt, erklärt Bingül so: „Die Höhe der Rückstellungen wird auf Basis zahlreicher Faktoren berechnet, dazu gehören zum Beispiel Gehalt und Betriebszugehörigkeit, aber auch statistische Sterbewahrscheinlichkeiten.“

Zur Altersversorgung von Bundespräsident Joachim Gauck (74) hat das zum Bund der Steuerzahler gehörende Deutsche Steuerzahlerinstitut (Berlin) folgende Rechnung aufgestellt: Als Ruhegeld erhält der oberste Repräsentant der Republik 214.000 Euro, das entspricht seinen jährlichen Amtsbezügen ohne Zulagen. Vom Ruhegeld muss er Einkommen- und Kirchensteuer abführen. Unter der Annahme, dass Gauck unerwartet jetzt aus dem Amt ausscheiden und 84 Jahre alt würde, würde sein Ehrensold den Steuerzahler 1,9 Mio. Euro kosten, heißt es bei dem Institut. Würde Gauck 94 Jahre alt, würde sein Ehrensold 3,5 Mio. Euro kosten.

Der Steuerzahlerbund kritisiert nicht nur die Intendantenversorgung der Öffentlich-rechtlichen, sondern deren Altersversorgung der Mitarbeiter generell. Viele Sender hätten es verpasst, sich an das Niveau des öffentlichen Dienstes anzupassen, von „Überversorgung“ ist die Rede. Deckungslücken dürften nicht über eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags finanziert werden.

Das verdienen andere

Mit 367.232 Euro Jahresgehalt ist Tom Buhrow der Spitzenverdiener unter den Intendanten der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. So viel verdienten nach Angaben des Internet-Portals Statista die anderen Intendanten:

Buhrows Vorgängerin Monika Piel: inkl. Nebeneinkünften 341.000 Euro (im Jahr 2011).

Peter Boudgoust, SWR (Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz): 309.000 Euro (im Jahr 2013).

Ulrich Wilhelm, Bayrischer Rundfunk (BR, Bayern): 309.000 Euro im Jahr 2012. Wilhelm hat nach Angaben des Branchendienstes w&v von sich aus auf seine Bezüge bei den Tochterfirmen Europool, Telepool und Bavaria Filmkunst verzichtet.

Lutz Marmor, NDR ( Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein): 305.417 Euro (im Jahr 2013).

Thomas Bellut, ZDF: 276.000 Euro (im Jahr 2012).

Karola Wille, MDR (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen): 247.801 Euro (im Jahr 2012).

Jan Metzger, Radio Bremen: 246.000 Euro (im Jahr 2012).

Dagmar Reim, RBB (Berlin, Brandenburg): 228.000 Euro (im Jahr 2012).

Thomas Kleist, SR (Saarländischer Rundfunk, Saarland): 216.762 Euro (im Jahr 2013).

Von Tatjana Coerschulte

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- Nur der hr macht keine Angaben

- Stichwort undfunkbeitrag

- "Zur Umsicht verpflichtet" - ein Kommentar über den Umgang der ARD mit Geld

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