Wegen Terrorwarnung:

Botschaften westlicher Staaten in Jemen geräumt

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Sicherheitsrisiken im Jemen: Die USA und Großbritannien haben ihre diplomatischen Vertretungen dort geräumt.

Sanaa - Angesichts der aktuellen Terrorwarnungen haben die USA und Großbritannien ihre diplomatischen Vertretungen im Jemen geräumt.

Beide Regierungen führten am Dienstag enorme Sicherheitsrisiken für die Entscheidung an, auch die deutsche Botschaft in Sanaa bleibt aus denselben Gründen bis auf Weiteres geschlossen. Medienberichten zufolge fußt die US-Terrorwarnung auf abgefangener Kommunikation innerhalb des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Großbritannien zog vorübergehend alle Mitarbeiter aus seiner Botschaft im Jemen ab und lässt die Einrichtung geschlossen, bis die Lage eine Rückkehr der Mitarbeiter erlaubt, wie das Außenministerium in London erklärte. Auch die US-Regierung verfügte, dass ihre Staatsbediensteten wegen der "extrem erhöhten Bedrohung" den Jemen verlassen müssten, falls sie nicht unbedingt für Notdienste vor Ort gebraucht würden.

Zugleich wurde allen US-Bürgern empfohlen, "sofort" aus dem Jemen auszureisen. Es herrsche große Sorge vor Anschlägen auf US- und andere westliche Einrichtungen. Nach Angaben aus Kreisen der US-Regierung verließen am Dienstagmorgen 75 Botschaftsmitarbeiter in einer Militärmaschine den Jemen. Das Verteidigungsministerium bestätigte den Flug, gab aber keine weiteren Einzelheiten bekannt.

Auch die deutsche Botschaft bleibt auf Weisung von Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) vorerst geschlossen. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin sagte am Dienstag, die Sicherheitsvorkehrungen und der Personalbestand würden laufend überprüft. Auch die Vereinten Nationen verstärkten ihre Sicherheitsvorkehrungen im Jemen. London warnte zudem Reedereien vor Anschlägen auf Schiffe in der Region.

Offiziell will sich die US-Regierung zwar nicht zu ihrer Terrorwarnung äußern, nach Informationen der US-Tageszeitung "New York Times" und des Fernsehsenders CNN geht diese jedoch auf Erkenntnisse der Geheimdienste zurück. Demnach soll der Chef des Terrornetzwerks Al-Kaida, der Ägypter Aiman al-Sawahiri, den Anführer von Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP), Nasser al-Wuhaischi, angewiesen haben, Anschläge zu verüben.

"Ich habe 21 Jahre der CIA gedient und kann mich nicht an 22 gleichzeitig geschlossene Botschaften erinnern", sagte der frühere CIA-Offizier Robert Bear dem Fernsehsender CNN. Der Vorsitzende des Heimatschutzausschusses im US-Repräsentantenhaus, der Republikaner Michael McCaul, sprach von den "konkretesten und glaubwürdigsten Bedrohungen, die ich seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gesehen habe".

Der Fernsehsender ABC News berichtete unter Berufung auf Regierungskreise über die Sorge, Al-Kaida könnte Selbstmordattentäter mit operativ im Körper implantierten Sprengsätzen einsetzen, wie dies AQAP schon beim Anschlag auf den saudiarabischen Prinzen Mohammed bin Najef im Jahr 2009 praktiziert hatte. AQAP war 2009 aus dem Zusammenschluss des jemenitischen und des saudiarabischen Al-Kaida-Zweigs hervorgegangen.

In Sanaa wurden die Sicherheitsvorkehrungen als Reaktion auf die Terrorwarnung deutlich erhöht: Panzerfahrzeuge patrouillierten in der Stadt, Polizei und Armee errichteten zusätzliche Kontrollposten.

Östlich von Sanaa wurden vier mutmaßliche Al-Kaida-Mitglieder bei einem Drohnenangriff getötet. Mindestens einer von ihnen stand nach offiziellen Angaben auf einer Liste von 25 gesuchten Extremisten.

AFp

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