Wegwerfverbot für Lebensmittel in Supermärkten?

Lebensmittel für Bedürftige: Die meisten Supermärkte spenden überschüssige Lebensmittel an die Tafel-Organisationen in Deutschland. Foto: Deutsche Tafel

Kassel / Berlin. Eine Spendenpflicht für Essbares klingt gut, doch die meisten Lebensmittel werfen die Verbraucher weg. Viele große Märkte spenden bereits.

Der Salat sieht etwas welk aus, die Äpfel leicht schrumplig. Noch immer wandern unverkaufte Lebensmittel in Supermärkten in den Müll, obwohl sie noch gut für den Teller wären. Tausende Tonnen sind es jedes Jahr in Deutschland. Geht es nach den Verbraucherzentralen, soll das künftig verboten sein: Eine gesetzliche Regelung wie in Frankreich wäre auch hierzulande sinnvoll, sagte der Chef der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Klaus Müller.

Im Mutterland der feinen Küche dürfen Supermärkte mit mehr als 400 Quadratmetern Fläche seit Februar keine Lebensmittel mehr vernichten. Genießbares muss an Hilfsorganisationen abgegeben werden, nicht mehr Essbares wird zu Tiernahrung oder Kompost verarbeitet. In Belgien beschloss das wallonische Regionalparlament eine ähnliche Regelung.

Dass Deutschland es Frankreich nachmacht, ist wenig wahrscheinlich. Die Bundesregierung plane kein derartiges Gesetz, erklärte das Ernährungsministerium vor kurzem. Die meisten Geschäfte in Deutschland spendeten überschüssige Produkte bereits sozialen Einrichtungen, etwa den mehr als 900 Deutschen Tafeln, die Bedürftige mit Lebensmitteln versorgen. „Mit Ausnahme von Alkohol geben wir alles Genießbare an die Tafel-Organisationen“, sagt Hans-Richard Schneeweiß, Geschäftsführer von Edeka Hessenring. Ein Gesetz „würde nur unnötigen Dokumentationsaufwand schaffen.“

Über 90 Prozent der Supermärkte spendeten unverkaufte Lebensmittel, sagt Stefanie Bresgott vom Bundesverband Deutsche Tafel in Berlin. Der Vorstoß für ein Wegwerfverbot stößt bei der gemeinnützigen Organisation auf eher gemischte Gefühle: „Wir freuen uns, dass wir im Gespräch sind“, sagt Bresgott, „aber wir sehen nicht die Notwendigkeit für ein Gesetz.“ Besser seien Spenden und Aufklärungskampagnen. Zudem würde eine starke Zunahme von Lieferungen die lokal organisierten Tafeln vor große logistische Probleme stellen.

Etwa 1,5 Millionen Menschen versorgten die Tafeln im Juli 2015 bundesweit. Hinzu kamen 200 000 Flüchtlinge. Deren Zahl werde in diesem Jahr auf eine halbe Million steigen, erwartet die Organisation.

Elf Millionen Tonnen Lebensmittel werden pro Jahr nach einer Studie der Universität Stuttgart in Deutschland weggeworfen, auf den Handel entfallen 550 000 Tonnen davon. Der Verband der Verbraucherzentralen will mit seinem Vorstoß nicht nur Supermärkte zum Spenden verpflichten, sondern sie dazu bringen, Verwendung erst gar nicht aufkommen zu lassen, sagte eine Sprecherin.

Das Problem wäre damit aber nur zum Teil gelöst, denn die größten Lebensmittelverschwender sind die Privathaushalte: Bei ihnen landen pro Jahr nach einer Studie der Naturschutzorganisation WWF knapp sieben Millionen Tonnen Nahrungsmittel im Müll, das meiste davon sei vermeidbar. (mit dpa)

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