In manchen Landkreisen in Niedersachsen werden die Einsatzkräfte knapp

Wehren fehlt Nachwuchs

Bernd Kühle

Northeim/Hannover. Claus Bauck macht sich Sorgen. Auf der Homepage des Kreisfeuerwehrverbands Lüchow-Dannenberg, dessen Kreisbrandmeister er ist, steht: „Wir löschen Brände und helfen in allen Notlagen, machen eine attraktive Jugendarbeit und brauchen Nachwuchs.“ Und zwar dringend.

Die geburtenstarken Jahrgänge der 50er kommen langsam ins Rentenalter. „Wenn die gehen, dann haben wir ein echtes Problem“, sagt Bauck. Und nicht nur er – die Sorge um den Nachwuchs bei der Freiwilligen Feuerwehr treibt in ganz Niedersachsen die Verantwortlichen seit Jahren um. Schon im Sommer 2008 rief das Innenministerium deshalb eine Projektgruppe zur „Sicherung des Brandschutzes in Niedersachsen unter besonderer Berücksichtigung des demografischen Wandels“ ins Leben.

Abschlussbericht

Seit fast zwei Jahren liegt der Abschlussbericht vor. Er regt unter anderem an, die Einrichtung von Kinder- und Jugendfeuerwehren zu fördern und mehr Menschen mit Migrationshintergrund ins Boot zu holen. „Das machen wir doch schon lang“, sagt Bauck. „Unsere Kinder-Feuerwehren haben jetzt zehnjähriges Jubiläum.“ Migranten gebe es gar nicht so viele im Kreis, aber auch um sie habe man sich bemüht, genauso wie um Quereinsteiger. Trotzdem wurden die Feuerwehren in Tüschau und Krummasel im vergangenen Jahr zusammengelegt. Einzeln konnten sie die Soll-Stärke von 22 Aktiven nicht mehr erreichen. Dazu kommt, dass die Leute auswärts arbeiten.

Nach Angaben des Innenministeriums gab es zum Jahreswechsel in Niedersachsen 3335 Ortsfeuerwehren, in denen fast 125 000 Ehrenamtliche aktiv sind. Eine beeindruckende Zahl – aber es werden weniger. Im Landkreis Northeim haben die Freiwilligen Feuerwehren in den vergangenen Jahren rund zehn Prozent ihrer Aktiven verloren, schätzt Kreisbrandmeister Bernd Kühle. Ausscheidende ältere Kollegen durch junge Leute zu ersetzen, gelinge immer seltener. Man müsse inzwischen um die Einsatzfähigkeit vieler Wehren fürchten. Kühle sagt, was viele denken: „Wir sollten die derzeit gültige Altersgrenze von 62 Jahren für den aktiven ehrenamtlichen Feuerwehrdienst auf 65 Jahre anheben.“

Sicher sollte man ältere Feuerwehrleute nicht mehr unter Atemschutz in brennende Gebäude schicken. „Aber sie können als Fahrer fungieren, Maschinen bedienen und in der Einsatzleitung oder als Ausbilder aktiv sein.“ Kühle und viele Kollegen hoffen auf das neue Brandschutzgesetz, das alle Parteien noch vor der Sommerpause verabschieden wollen. Beim Landesfeuerwehrverband kommt der Vorstoß nicht gut an. Vizepräsident Bernd Keitel: „Die Altersgrenze anzuheben, löst das Problem nicht.“ (lni)

Von Teresa Dapp und Matthias Brunnert

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