Weicher Teer sorgt für Probleme bei erster Asse-Bohrung

Remlingen. Knapp eine Woche nach Beginn der Erkundungs-Bohrarbeiten im maroden Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel sind die Arbeiten dort vorläufig zum Erliegen gekommen. Wann es weiter geht, ist noch unklar.

Weicher Teer, sogenanntes Bitumen, droht nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) das Bohrloch und den Bohrer zu verschmieren, berichtete die „Braunschweiger Zeitung“ (Montag). Bisher sei der Bohrer sieben Meter in eine Kammer des Atommülllagers vorgedrungen, bis zum Inneren sind es 20 Meter.

„Die Komplikationen beim Anbohren zeigen, wie wichtig die Probephase ist“, sagte BfS-Sprecher Werner Nording der Nachrichtenagentur dpa in Hannover. Bei der Planung der Bohrung seien die Experten zunächst davon ausgegangen, dass der bei der Verfüllung der Kammer eingesetzte Teer fester sei und deshalb durchbohrt werden könne. Grundlage dafür waren Aussagen des ehemaligen Betreibers der Asse, des Helmholtz Zentrums München. „Wir wissen aber nie, was uns dann wirklich erwartet“, sagte Nording.

Um die Rückholung der Abfälle vorbereiten zu können, sei es unerlässlich, alles über die Beschaffenheit der Kammerverschlüsse zu wissen. Durch die Erkundung der Atommüllkammern soll geklärt werden, ob und wie eine Bergung des Abfalls möglich ist. Aus der Asse, einem alten Bergwerk, sollen wegen Wassereintritts die dort liegenden 126 000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Atommüll nach Möglichkeit geborgen werden.

Wegen der instabilen Struktur des Bergwerks ist das aber ein Wettlauf gegen die Zeit. Derzeit gehen die BfS-Experten davon aus, dass zwei vermutlich jeweils rund 1,25 Meter starke Bitum-Schichten durchbohrt werden müssen. Rückschlüsse auf möglicherweise hohe Temperaturen in der Kammer gebe der weiche Teer zunächst nicht, betonte Nording.

„Dies als Hinweis auf die Kammeratmosphäre zu interpretieren, wäre verfrüht.“ Vielmehr sei davon auszugehen, dass ein weicherer Teer eingesetzt wurde als bislang angenommen. Um die restlichen 13 Meter durchbohren zu können, muss nun eine technische Alternative geprüft werden. „Daran arbeiten wir im Moment“, sagte Nording. Wann es mit den Bohrarbeiten weiter gehe, sei noch unklar. Geplant war, die 20 Meter dicke Wand binnen sechs Wochen Stück für Stück zu durchbohren.

Mit einer Mini-Kamera soll dann erstmals geschaut werden, wie es dort aussieht, ob sich die Abfälle überhaupt noch in Fässern befinden oder ob sie vom eintretenden Wasser bereits aufgelöst worden sind. Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hatte bei seinem ersten Besuch in der Asse vor anderthalb Wochen per Knopfdruck das Anbohren von Kammer 7 gestartet. Altmaier will das Tempo beim Bergen des Mülls per Sondergesetz beschleunigen. (dpa)

Rubriklistenbild: © dpa

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