Blick auf November-Gehaltszettel

Weihnachtsgeld: Wie viel Firmen aus der Region zahlen

Ein großer Teil des Weihnachtsgeldes geht tatsächlich auch für Geschenke drauf. Unser Bild entstand in einem Einkaufszentrum auf der Königstraße in Stuttgart (Baden-Württemberg). Foto: dpa

Kassel. Beim Blick auf den November-Gehaltszettel steigt bei vielen Beschäftigten die Laune. Bis zu einem ganzen Monatsgehalt zusätzlich gibt es: Weihnachtsgeld. Wir zeigen, wie viel Firmen in der Region zahlen.

Die deutsche Wirtschaft muss dafür zwar Milliarden-Mehrausgaben stemmen, doch zugleich kurbelt das Weihnachtsgeld zum Jahresende kräftig den Konsum an. Fragen und Antworten zum Weihnachtsgeld.

Ist das Weihnachtsgeld freiwillig oder Bestandteil des Lohns?

Ursprünglich ist das Weihnachtsgeld eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers, mit der Betriebstreue und Arbeitsleistung honoriert werden können.

Darf der Arbeitgeber die Zahlung einfach einstellen?

Wird es in Betriebsvereinbarungen, Arbeits- oder Tarifverträgen zugesagt, dürfen Arbeitgeber die Zahlung nicht einfach einstellen. Auch nach mehrjähriger Zahlung ohne Einschränkungen entsteht vielfach ein Anspruch, wenn der Arbeitgeber nicht ausdrücklich jedes Jahr neu die Freiwilligkeit betont.

Wer bekommt die Jahresleistung?

In diesem Jahr bekommen gut die Hälfte 54 Prozent der deutschen Beschäftigten Weihnachtsgeld in West- und nur 40 Prozent in Ostdeutschland. Das hat das Tarifarchiv der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in einer Online-Umfrage mit 8800 Beteiligten herausgefunden. Grundlage sind meist Tarifverträge, die feste Summen (seltener) oder einen Anteil am Monatsgehalt als Jahressonderzahlung festlegen. Dadurch wächst das Weihnachtsgeld auch mit den tariflichen Gehaltssteigerungen - 2015 im Schnitt ungefähr um knapp drei Prozent, so Tarifexperte Hagen Lesch vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft.

Wie viel kommt da zusammen?

Auf insgesamt rund 50 Milliarden Euro schätzen Lesch und sein IW-Kollege Christoph Schröder die Sonderzahlungen der Wirtschaft am Jahresende. Die Summe enthält allerdings auch andere Formen der Gratifikation - etwa als Gewinnbeteiligungen, wie sie zum Beispiel in der Autoindustrie mit Ergebnisprämien von teils über 8000 Euro pro Mitarbeiter ausgeschüttet wurden. Solche Angebote seien vielen Firmen eigentlich lieber, weil sie variabler und stärker mit dem Unternehmenserfolg verknüpft seien, sagt Lesch. Dennoch sei die Leistung unumstritten.

Und was machen die Beschäftigten mit dem Geld?

Viele geben es gleich wieder aus, sagt der Leiter des Tarifarchivs, Reinhard Bispinck. Außerdem nutzten Beschäftigte das Geld für ihre Alterssicherung, Reisen oder größere Anschaffungen. „Das Weihnachtsgeld trägt ein Stück weit dazu bei, dass der Einzelhandel seinen Umsatzhöhepunkt zum Jahresende erreicht“, bestätigt der Chefvolkswirt des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Olaf Roik.

Welche Rolle spielt Weihnachtsgeld, wenn Fachkräfte gesucht werden?

Die Zahlung von Weihnachtsgeld trägt natürlich erheblich zur Attraktivität einer Stelle bei. Das könnte daher noch an Bedeutung gewinnen. Stellen mit Tarifvertrag haben dabei aus Sicht der Beschäftigten deutliche Vorteile: 72 Prozent der Tarif-Mitarbeiter bekommen laut der Umfrage die Leistung, aber nur 42 Prozent der nicht tarifgebundenen. (dpa)

Von Rolf Schraa


Das zahlen Unternehmen in der Region

K+S

Der Düngemittelkonzern zahlt eine Jahresleistung, bestehend aus Weihnachts- und Urlaubsgeld und erfolgsabhängigem Bonus. Die Basis ist das monatliche Tarifgehalt. Laut K+S bekamen die Beschäftigten in den letzten Jahren „deutlich mehr“ als das Basisgehalt.

SMA

Das Niestetaler Unternehmen zahlt seinen Beschäftigten nach Angaben einer Sprecherin in diesem Jahr Weihnachtsgeld in Höhe eines Monatsgehaltes.

B.Braun

Im Melsunger Unternehmen gilt der Chemie-Tarifvertrag. Dieser sieht laut Sprecherin Mechthild Claes eine Jahresleistung („Weihnachtsgeld“) in Höhe von 95 Prozent des monatlichen Grundgehaltes vor.

Viessmann

Das Allendorfer Unternehmen zahlt nach Auskunft seines Sprechers Michael Wagner im Rahmen des Haustarifvertrages an alle Beschäftigte ein Weihnachtsgeld aus, das mindestens auf dem Niveau des Flächentarifvertrages liege.

Daimler

Die Höhe des Weihnachtsgeldes ist in der Metall- und Elektroindustrie tarifvertraglich festgelegt und beträgt 25 bis 55 Prozent eines Monatsentgelts, je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit der Mitarbeiter. Darüber hinaus beteiligt Daimler seine Beschäftigten am Erfolg. Wie hoch die Beteiligung ausfällt, wird im Frühjahr festgelegt. Im April 2015 waren es 4 350 Euro.

Sartorius

Das Göttinger Unternehmen zahlt nach dem Metall-Tarifvertrag 13 Monatsgehälter. Das 13. Gehalt wird je zur Hälfte im Juni und November ausgezahlt.

NVV

Der Verkehrsverbund zahlt als Weihnachtsgeld 83 Prozent des monatlichen Bruttogehaltes in Anlehnung an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes. Letzterer sieht beim Land Jahressonderzahlungen von 60 Prozent (obere Gehaltsgruppen) und 90 Prozent (untere Gehaltsgruppen) eines Monatsgehalts vor.

VW

Der Konzern zahlt seinen Haustarif-Mitarbeitern in November einen Abschlag auf die für alle gleich hohe Jahresprämie. Der Abschlag beträgt in diesem Jahr 1545 Euro. Wie hoch die Jahresprämie ausfällt, entscheidet sich im kommenden März - sie hängt ab vom Gewinn der Kernmarke VW-Pkw. Zuletzt lag der Betrag bei 5900 Euro, 2011 wurde mit 7500 Euro ein Rekordwert gezahlt.

Wintershall

Tarifmitarbeiter erhalten im November eine Jahresprämie gemäß Tarifvertrag. Alle Beschäftigten bekommen ferner eine variable Zahlung als Beteiligung am Unternehmenserfolg, die im Mai des Folgejahres ausgezahlt wird. Zahlen wurden nicht genannt.

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.