Herausforderer will von der CDU Wähler holen – Bildung soll zentrales Thema sein

Weil ist nun der starke Mann

So sieht es nach der Wahl aus: Stephan Weil steht im Fokus, Olaf Lies im Schatten des Mc-Allister-Herausforderers. Foto: dpa

Hannover. Am Tag danach präsentiert sich die Niedersachsen-SPD voller Selbstbewusstsein. Für die Bewertung der Urwahl des Spitzenkandidaten hat die Partei den größten Saal in der Landtagsgaststätte Leineschloss gemietet, moderne Technik überträgt die Botschaften in Bild und Ton. „Entschieden. Für Niedersachsen“ steht auf dem Banner mit rotem SPD-Logo.

Entschieden haben sich die Genossen zwischen Nordseeküste und Harz für Stephan Weil, seit fünf Jahren Oberbürgermeister (OB) von Hannover. Der 52-Jährige tritt als Herausforderer von Ministerpräsident David McAllister (CDU) bei der Landtagswahl am 20. Januar 2013 an. Der Sieger des SPD-internen Wettlaufs ist Chef eines unkomplizierten rot-grünen Ratsbündnisses, ehemaliger Richter, als langjähriger Stadtkämmerer unter OB-Legende Herbert Schmalstieg mit Finanzen und leeren Kommunalkassen bestens vertraut.

Jetzt steht er nach einer Feier mit Parteifreunden neben dem unterlegenen Konkurrenten, SPD-Landeschef Olaf Lies, auf der Bühne und lässt sich freudestrahlend ablichten. Der 44-jährige Friese lächelt tapfer mit. Dass sein Lager während des Casting-Verfahrens Mobbing und unfaire Sticheleien des Partei-Establishments beklagt hat, ist Lies nicht anzumerken. Ein paar Minuten später wird er seinen Rückzug als Landesvorsitzender, Weil seine Kandidatur auch für dieses Amt verkünden. Der Stabwechsel soll auf einem Sonderparteitag Anfang 2012 vollzogen werden.

13 713 Genossen haben bei der verbindlichen Urwahl am Sonntag für Weil votiert, das macht 53,3 Prozent. Für den eloquenten Elektroingenieur, der erst vor neun Jahren in die SPD eintrat, reichte es immerhin bei 138 Enthaltungen für 11 872 Stimmen oder 46,7 Prozent. Viele Sozialdemokraten hatten einen größeren Vorsprung für Weil erwartet. „Die SPD ist tief gespalten, auch regional“, funkt prompt CDU-Landtagsfraktionschef Björn Thümler durch die Lande. Dahinter steckt allerdings auch die eigene Nervosität; insgeheim hatten sich viele Christdemokraten lieber den als unerfahrenen geltenden, schon mal als „Sozialromantiker“ titulierten Lies als Gegner gewünscht. Nun bekommt es McAllister mit dem auf Seriosität und Gelassenheit bedachten Weil zu tun.

„Ich bin ein ziemlich bürgerlicher Typ“, sagt Weil. Insbesondere bei den Finanzen habe er auf die beschränkten Möglichkeiten hingewiesen. So werde er auch seinen Wahlkampf ausrichten, nämlich „in die gesellschaftliche Mitte, tief hinein auch in die Schichten der tief verunsicherten CDU-Wähler“. Bildung als „moderne Form der Wirtschaftsförderung“ stelle er ins Zentrum, nach seiner Wahl werde er mit der schwarz-gelben Diskriminierung von Gesamtschulen Schluss machen.

Bei den Inhalten ist sich der McAllister-Herausforderer mit Lies einig; beide bekunden die große Geschlossenheit der Partei. Ob und wie er den knapp unterlegenen Konkurrenten ins Wahlkampfteam einbezieht, lässt Weil offen. „Die SPD wird an Olaf Lies noch viel Freude haben“, zitiert sich Weil selbst und fügt an: „An welchem Punkt, das müssen wir noch besprechen.“ Auch Lies schweigt zu einer möglichen Rolle unter Weil.

Von Peter Mlodoch

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