Lebenserwartung hängt auch vom Einkommen ab – Frauen sterben fast überall später als Männer

Wer wenig verdient, lebt kürzer

Berlin. Die Lebenszeit von Geringverdienern sinkt. Während die Deutschen im Schnitt immer länger leben, ist das Sterbealter von Arbeitnehmern mit geringem Einkommen in den zurückliegenden zehn Jahren gesunken.

Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor: 2001 wurden männliche Geringverdiener 77,5 Jahre alt, 2010 waren es nur noch 75,5 Jahre. Im Gegensatz dazu veränderte sich die Lebenszeit von Durchschnittsverdienern kaum, bei Besserverdienern stieg sie leicht an. Wie alt ein Mensch wird, hängt vom wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und medizinischen Umfeld sowie vom individuellen Lebensstil ab.

? Welche Rolle spielt die Berechnung der Lebenserwartung?

! Im internationalen Vergleich gilt die Lebenserwartung als Indikator für den Entwicklungsstand einer Nation. Sie hängt oft unmittelbar mit dem Land zusammen, in dem man lebt. Die Vereinten Nationen (UN) geben heute für die am besten entwickelten Staaten ein Durchschnittsalter von rund 77 Jahren an, in weniger entwickelten Ländern sind es rund 66, in unterentwickelten Nationen nur knapp 57 Jahre. Von Land zu Land können die Werte allerdings erheblich schwanken.

? Wie hat sich die Lebenserwartung entwickelt?

! Hierzulande hat sich die Lebenserwartung laut OECD seit 1960 um eine Dekade verlängert – von 71,7 auf 82,8 Jahre 2009. Die Zahl der hundertjährigen Deutschen ist heute etwa fünfmal so hoch wie vor 30 Jahren. Damit liegt die Bundesrepublik mit an der Spitze. Rekordhalter bleibt Japan mit 86,4 Jahren, ein Zugewinn von rund 16 Jahren seit 1960. Mehr als die Hälfte aller heute in den Industriestaaten geborenen Babys können nach Einschätzung von Forschern 100 Jahre alt werden. Auch in Entwicklungsländern werden Menschen älter als früher, aber auf niedrigerem Niveau.

? Spielt das Geschlecht eine Rolle?

! Frauen leben fast überall länger als Männer. In Deutschland sind es fünf Jahre, in Estland bis zu zehn. Die amerikanische „Gerontology Research Group“ hat weltweit 79 Menschen registriert, die 110 Jahre oder älter sind. Unter ihnen sind nur sechs Männer, aber 73 Frauen. Neben biologischen Nachteilen sehen Forscher die oft ungesunde Lebensweise der Männer als Grund: Zigaretten und Alkohol, beruflicher Stress und höhere Unfallsterblichkeit.

? Welche Bedeutung hat die soziale Stellung?

! Über den Einfluss von Bildung, Einkommen und Beruf auf die Lebenserwartung geben die Statistiken keine konkrete Auskunft. Aus Berechnungen des Wiener Instituts für Demografie lässt sich ein solcher Zusammenhang aber ableiten: Gebildete mit höherem Einkommen leben danach im Durchschnitt länger als Menschen mit geringem sozialen Status.

? Wer gilt als Geringverdiener?

! Als Geringverdiener wird in der Statistik ein Arbeitnehmer eingestuft, der weniger als drei Viertel des Durchschnittseinkommens bezieht. Die Zahlen beziehen sich auf diejenigen, die mindestens 35 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt haben. (dapd/dpa)

Rubriklistenbild: © dpa

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