Weniger Ausbildungsplätze in Hessen

Frankfurt. Mehr Bewerber, weniger Ausbildungsplätze: Die hohe Zahl der Schulabgänger in Hessen lässt die Lehrstellen in diesem Jahr knapp werden.

Während die Arbeitsagentur ein Bewerberplus von rund 6 Prozent auf knapp 45.000 registrierte, sank die Zahl der über die Agenturen angebotenen Ausbildungsplätze um 2 Prozent auf 36.000. Gründe für die hohe Bewerberzahl seien der Wegfall der Wehrpflicht sowie der doppelte Abiturjahrgang wegen der verkürzten Gymnasialzeit, teilte die Regionaldirektion Hessen der Arbeitsagentur am Montag mit.

Unternehmerverbände bezweifeln den Lehrstellenmangel. Sie klagen über zu wenig Azubis, vor allem in den technischen Berufen. "Das Ausbildungsangebot der Unternehmen ist stabil, zum Teil sogar leicht steigend", sagte Charlotte Venema von der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) am Montag. Der Verband rechnet für 2012 mit einer unveränderten Zahl bei abgeschlossenen Ausbildungsverträgen um rund 42.000. Insgesamt erwartet die VhU, dass die hessischen Unternehmen 46.000 Ausbildungsstellen anbieten.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Frankfurt beobachtet eher einen Mangel an Bewerbern. "Die Hoffnung einiger Unternehmen, dass in diesem Jahr die Verkürzung der Gymnasialzeit auch für mehr Bewerber auf die Ausbildungsplätze sorgt, hat sich nicht bestätigt", sagte IHK-Ausbildungsexpertin Brigitte Scheuerle. "Die Berufsausbildung ist kein Selbstläufer mehr. Nur noch 30 Prozent der Realschüler gehen direkt in eine duale Ausbildung, viele streben einen höheren Abschluss an, um studieren zu können."

Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge ging 2012 sowohl bei den Unternehmen der IHK als auch bei den Handwerksbetrieben in Hessen leicht zurück. Die IHK registrierte 25.167 Vertragsabschlüsse und damit 1,6 Prozent weniger als 2011. Bei den Handwerkskammern ging die Zahl um 1 Prozent auf 10.424 zurück.

Der hessische DGB-Vorsitzende Stefan Körzell bemängelte, dass nur 30 Prozent der hessischen Betriebe ausbildeten. 64 Prozent seien aber berechtigt. Die Ausbildung von Fachkräften sei wichtig, da es wegen der unausgewogenen Altersstruktur in vielen hessischen Betrieben an Nachwuchs fehle.

Wer sich für eine Ausbildung entscheidet, muss laut DGB in zu häufig Überstunden leisten. In einer Erhebung unter knapp 2400 hessischen Azubis stellte der Gewerkschaftsbund fest, dass rund 40 Prozent der Lehrlinge regelmäßig Überstunden leisten müsse. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) sagen, sie könnten sich nach der Arbeitszeit nicht richtig erholen. Im Hotel- und Gaststättenbereich beklagen sich darüber sogar bis zu 73 Prozent der jungen Menschen. (dpa)

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