Inobhutnahmen der Jugendämter: 54 Fälle im Kreis Göttingen und 37 Fälle im Kreis Northeim im Jahr 2009

Wenn Familie zum Feind wird

Mehr Schutz für Kinder: Im vergangenen Jahr ging bei jedem vierten Eingriff eines Jugendamtes in Niedersachsen der Wunsch danach von dem betroffenen Kind oder Jugendlichen aus. Foto:  dpa

Hannover. In Niedersachsen müssen immer mehr Kinder vor ihren eigenen Familien geschützt werden. Die Jugendämter im Land nahmen im vergangenen Jahr 3016 Kinder und Jugendliche in ihre Obhut. Das sind 83 mehr als im Jahr 2008. Mit dem Zuwachs setzt sich laut Landesamt für Statistik ein Trend fort: Vor sechs Jahren waren nur für 1904 Kinder und Jugendliche Schutzvorkehrungen notwendig.

Der größte Teil der im vergangenen Jahr geschützten jungen Menschen war zwischen 14 und 18 Jahre alt (58 Prozent). Sechs Jahre alt oder jünger waren 502 Jungen und Mädchen. Die häufigste Ursache für ein Einschreiten des Jugendamtes war niedersachsenweit im vergangenen Jahr eine Überforderung der Eltern (1610 Fälle). Weitere Auslöser waren Beziehungsprobleme (640 Fälle) oder Vernachlässigung (427 Fälle). Bei 278 Kindern und Jugendlichen waren Anzeichen für eine Misshandlung Auslöser für die Schutzmaßnahme.

In jedem vierten Fall ging die Initiative von dem Kind oder Jugendlichen selbst aus. Das muss nicht bedeuten, dass diese Kinder lieber in Pflegefamilien leben würden. Der Wunsch nach Hilfe könne zum Beispiel bei einer Beratung geäußert werden und eine stundenweise Betreuung, etwa am Nachmittag, zur Folge haben, sagte ein Sprecher des Landesamts.

Die Statistiker erfassen nicht Nationalität, Bildungsstand oder finanzielle Verhältnisse der Familien, bei denen die Behörden aktiv werden. Sie schlüsseln die Daten aber regional auf. Für Südniedersachsen ergibt sich für 2009 folgendes Bild:

 Landkreis Göttingen: Schutzmaßnahmen für 54 Kinder und Jugendliche, davon 27 unter 14 Jahre, in 31 Fällen Einschreiten der Behörden wegen Gefährdung, in 23 auf Wunsch des Kindes oder Jugendlichen.

 Landkreis Northeim: insgesamt 37 Fälle, davon 19 Kinder unter 14 Jahre, 24 Fälle wegen Gefährdung, 13 auf eigenen Wunsch.

Landkreis Osterode: insgesamt 23 Fälle, davon neun Kinder unter 14 Jahre, 22 Fälle wegen Gefährdung, keiner auf eigenen Wunsch.

 Landkreis Goslar: insgesamt 27 Fälle, davon 13 Kinder unter 14 Jahre, 22 Fälle wegen Gefährdung, fünf auf eigenen Wunsch.

Landkreis Helmstedt: insgesamt 56 Fälle, davon 41 Kinder unter 14 Jahre, 48 Fälle wegen Gefährdung, acht auf Wunsch.

 Landkreis Holzminden: Schutzmaßnahmen für fünf Kinder, davon zwei unter 14 Jahre; in vier Fällen Eingreifen wegen Gefährdung des Kindes, einer auf eigenen Wunsch.

Landkreis Hildesheim: insgesamt 116 Fälle, davon 46 Kinder unter 14 Jahre, 87 Fälle wegen Gefährdung, 29 auf eigenen Wunsch.

Von Tatjana Coerschulte

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