Helikopter-Service-Unternehmen versorgen die Windpark-Baustellen in der Nordsee

Wenn der Heli kommt

Neuer Markt für Helikopter-Serviceunternehmen: Auf den Plattformen der Windpark-Baustellen mitten in der Nordsee landen Hubschrauber, liefern Material und helfen in Notfällen. Foto: dpa

Emden. 100 Kilometer vor Borkum mitten in der Nordsee erhebt sich eine riesige Baustelle. Dort nimmt der Windpark „Bard Offshore I“ Gestalt an. 16 Windkrafträder sind am Netz, 80 sollen es bis 2013 werden. Weitere Windparks in der Nordsee werden dazukommen. Davon profitieren viele Unternehmen auf dem Festland. In Ostfriesland hat sich eine neue Branche entwickelt: Helikopter-Serviceunternehmen bringen Menschen und Material zu den Offshore-Anlagen und holen kranke Arbeiter aufs Festland zurück.

Einer dieser Offshore-Dienstleister ist Wiking Helikopter aus Sande-Mariensiel (Kreis Friesland). Raus auf die Nordsee fliegen die Wiking-Piloten seit 36 Jahren, ursprünglich, um Seelotsen zu den Schiffen zu bringen.

„Da draußen gehen sie nicht mal eben um die Ecke zum Baumarkt und kaufen Schrauben.“

Wiking-leiter Ralf Sandner

Seit dem Bau des 2010 eröffneten Windparks „Alpha Ventus“ hat sich das geändert. Etwa die Hälfte der Flugstunden führen mittlerweile zu den Offshore-Windparks, sagt Geschäftsführer Alexander von Plato. Wenn keine Zeit ist für einen mehrstündigen Schiffstransport, dann sind die Helikopter gefragt, besonders im Notfall. Deswegen will Wiking mit dem ADAC Rettungseinsätze anbieten. Bislang rücken Piloten und Sanitäter von Northern Helicopter (NHC) aus Emden aus, wenn auf der Baustelle ein Unfall passiert oder Arbeiter krank werden. Eigentlich holt NHC kranke Urlauber von den Inseln. Seit Juli gehen Notrufe von den Offshore-Anlagen ein.

Von mehr als 600 Einsätzen 2011 flog der Ambulanzhubschrauber zwar nur fünfmal zum Windpark. Aber: „Offshore hat Vorrang“, sagt Herbert Janssen, Rettungsassistent bei NHC. Denn Notfälle auf See könnten dramatischer ausgehen als auf Inseln.

Janssen sitzt hinten im Heli, neben ihm eine Trage für Patienten, um ihn herum Verbandszeug, Beatmungsmaske und Defibrillator, die gleiche Ausstattung wie in einem Rettungswagen. So sehr unterscheide sich die Arbeit nicht vom Rettungsdienst an Land, sagt Janssen – abgesehen davon, dass er sich manchmal an einer Winde auf die Windanlage abseilen muss.

Alexander von Plato spricht von einem „neuen Terrain mit neuen Herausforderungen“. Und von einer Branche der Zukunft: „Wir sehen das ganz klar als wachsenden Markt.“ In Niedersachsen hängen 5000 Arbeitplätze von Windenergieanlagen ab.

Wiking wartet die Hubschrauber selbst, ist 24-Stunden einsatzfähig. Auch das NHC-Rettungsteam ist ständig in Bereitschaft. Doch es gibt einen „friesischen Faktor“, der Einsätze vereiteln kann: Wenn dichter Nebel die Landschaft einhüllt, ist für die Heli-Mannschaften Schluss. „Bei Nebel sehe ich die Windräder nicht rechtzeitig“, sagt Pilot Frank Zabell. Der Hubschrauber bleibt am Boden. (lni)

Von Denise Müller

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