Streitschlichter in Sachen Wind

Wenn Räder Ärger machen: Hessenagentur organisiert Bürgerforen und Mediation

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Für die einen sind sie Energiewende, andere protestieren: Windräder - hier nahe der Stadt Ulrichstein im Vogelsberg

Kassel. Wo immer Windräder geplant oder gebaut werden, droht Ärger: Den versucht die Hessenagentur, finanziert vom Wiesbadener Energieministerium, möglichst früh abzubiegen. „Seit Sommer 2013 haben wir ein Dutzend Veranstaltungen in zehn Gemeinden organisiert“, sagt Rainer Kaps.

Er leitet das Bürgerforum Energieland Hessen, das aus der Pilotphase nun in den Regelbetrieb geht.

Weg von Erdöl, Gas und Kohle: „Wenn wir fossile Energien in allen Sektoren einsparen wollen, wird Windenergie in den Binnenländern noch wichtiger werden“, sagt Stefan Bofinger vom Kasseler Fraunhofer Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES). 3500 Windräder braucht Hessen bis zum Jahr 2050, schätzen Fachleute – und zwar 3500 Räder der großen 5-Megawatt-Klasse statt der bisher 1000 meist kleineren.

Anlagen vor der Haustür

„Atomkraft, nein danke“ hat in Deutschland Mehrheiten. Windräder vor der eigenen Haustür werden dennoch angefeindet. Wegen Verschandelung der Landschaft, vor allem im Wald, aus Angst um Immobilienpreise oder ausbleibende Touristen etwa.

RP: Die meisten Proteste aus Fulda 

Zum Teilregionalplan Energie des RP Kassel kamen

• 60 % der Bürgerproteste gegen Windkraft aus dem Kreis Fulda (Burghaun, Hünfeld, Ebersburg/Eichenzell).

• 30 % der Protesteinwendungen kamen aus dem Reinhardswald und von der Oberweser (wegen Wald, Tourismus, Wohnen und Erholung. Vogelwelt).

Fachleute der Hessenagentur kommen in Absprache mit Rathaus und RP ins Dorf. Vorgespräche mit allen, die das Thema umtreibt, sollen Fronten klären und Probleme beschreiben. „Das kann in kleinen Runden zwei Tage dauern“, so Kaps. Kommunalpolitik, Förster, Investoren, Naturschutz – und Bürgerinitiativen meist zum Schluss: „Die haben den größten Redebedarf, sind meist aber gut informiert.“ Fragen zu beantworten, Fakten zu klären, sei ganz wichtig, sagt Experte: „Bürger stecken ja nicht so weit im Planungsrecht drin.“

Politisch ist das Ziel, zwei Prozent der Landesfläche Hessens für Windkraft vorzusehen, längst ein alter Hut. Planerisch aber ist die Umsetzung noch voll im Gang: Seit Mai 2013 hat das Regierungspräsidium Kassel 12 500 Windkraft-Einwendungen gegen den neuen Teilregionalplan Energie gesichtet und bewertet. Überarbeitete Pläne für 160 Windkraftflächen im Regierungsbezirk werden im Herbst offengelegt – beschlossen ist dann noch nichts.

Kontakt Hessen Agentur: 0611 / 95017-8471

Manchmal hilft alles Reden und Erklären nicht weiter – dann bietet die Hessenagentur auch Mediation an: Am runden Tisch versuchen Rainer Kaps, seine Kollegen und beauftragte Fachleute, Positionen verschiedener Lager einander anzunähern. So wie in Lautertal im Odenwald: Zum strittigen Windpark wird dort nun ein Bürgervotum geprüft. Es gibt neue Infos zu Windmessungen und Wirtschaftlichkeit des Projekts, zu Rotmilanen und Fledermäusen.

„Wir wollen Projekte nicht durchdrücken“, beteuert Kaps. Windparks könnten aber verschoben und verbessert werden, zuweilen sprachlose Kommunalpolitiker stärker ins Geschehen eingebunden werden.

Von Wolfgang Riek

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