Werra-Versalzung: Runder Tisch vor dem Ende?

Kali-Abraumhalde von K+S bei Unterbreizbach. Foto: dpa

Kassel. Hessens Umweltministerin Hinz und K+S-Chef Steiner erklären am Freitag den umstrittenen Werraplan. Es könnte der heißeste runde Tisch werden und der letzte vielleicht auch.

Wenn am Freitag in der Kasseler Stadthalle Politiker, Behörden, Experten und Verbände sich seit 2008 zum 25. Mal mit der Versalzung von Werra und Weser beschäftigen, lassen sie sich zwei Stunden lang erklären, warum ihr Mehrheitsvotum von 2010 nichts taugt.

Das hieß: Abwasserleitung aus dem Kalirevier an der Werra zur Nordsee. Hohe Wirkung für bessere Gewässerqualität in Werra und Weser, für K+S finanziell aber unzumutbar, sagte dann eine Studie, mit der Hessens Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) im September ihre Abkehr vom Rohr zur Küste erklärte.

Hinz und K+S-Chef Norbert Steiner sollen ihr Gegenmodell dem runden Tisch erläutern. Beide werden mit großem Tross erwartet - hier sitzen Experten auf beiden Seiten. Ende der Abwassereinleitung in Werra und Weser sowie Ende der Versenkung in tiefe Gesteinsschichten bis spätestens 2021 wollte der runde Tisch. Letzteres haben Ministerin und Konzernchef übernommen. Die Flüsse hingegen bleiben - bei sinkenden Mengen - auf unabsehbare Zeit für Salzabwasser offen. Sie bekommen über ein Rohr zur Oberweser sogar einen zusätzlichen Abwasserzufluss.

Der grünen Basis in Hessen ist das nur schwer zu erklären, den Anrainerländern weserabwärts auch. Zusammen mit Hessen sollen sie eigentlich der EU-Kommission melden, wie die Flüsse in Richtung guter ökologischer Zustand bis 2021 vorankommen. Letzter Termin: 22. Dezember 2015.

Über 23.000 Maßnahmen zur Verbesserung von Werra und Weser winkte Ende Oktober der Weserrat durch - nur beim Salz gab’ keine Einigung. Jetzt soll eine Ministerrunde versuchen, die Kuh vom Eis zu holen. Nicht mit Oberweserpipeline, hat Niedersachsens Landtag jüngst fraktionsübergreifend beschlossen.

Wie der Hessen-Schwenk bei der EU-Kommission ankommt, ist offen. Wegen des bisherigen Umgangs mit dem Salzabwasserthema läuft in Brüssel schon ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland. Ausweg unklar - so wie die Frage, ob der runde Tisch weitermacht.

Scharfe Kritik erneuerte der Verein Werra-Weser-Anlieger (WWA), der den runden Tisch für Zeitverschwendung hält. Vorsitzender Walter Hölzel (Witzenhausen) stellt dem Vier-Phasen-Plan von Land und K+S seinen Drei-Phasen-Plan entgegen: Abwässer eindampfen, verwerten, Reste zurück in den Berg, die Halden auch. Haldenrückbau, so Hölzel, sei auch in Spanien unterm Druck von EU-Kommission und Gerichten möglich geworden. zu.hna.de/wwaplan

Von Wolfgang Riek

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.