Hessen nennt Entsorgung zur Oberweser umweltgerecht - Niedersachsen: Nein mit allen Mitteln

Werraversalzung: Grüne gegen Grüne

Kassel/Hannover. Der Streit steht offiziell nicht auf der Tagesordnung, wenn der runde Tisch zur Werraversalzung am Dienstag in Heringen (Kreis Hersfeld-Rotenburg) tagt. Ein Topthema dürfte er dennoch werden.

Rot-Grün in Niedersachsen und Schwarz-Grün in Hessen führen ihren Kampf gegen die fortdauernde Versalzung von Werra und Weser noch weit auseinander. Seit Abschluss des Koalitionsvertrages von CDU und Grünen in Wiesbaden sogar weiter auseinander als zuvor.

Priska Hinz

Es gibt viel zu tun für Hessens neue Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) und ihren niedersächsischen Amts- und Parteikollegen Stefan Wenzel, wenn sie auf eine Linie kommen wollen: Aktuell hoch umstritten sind Pläne zum Bau einer Rohrleitung, die Millionen Kubikmeter Salzabwasser des osthessischen K+S-Kalireviers Jahr für Jahr künftig an der Werra vorbei direkt in die Oberweser leiten könnte. Allen Protesten am Fluss zum Trotz nennt das Programm der neuen hessischen Landesregierung das Rohr zur Oberweser ausdrücklich als eine mögliche Variante

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„umweltgerechter Entsorgung“ für K+S-Abwässer.

Ganz anders SPD und Grüne in Niedersachsen: Hannover werde „alle Möglichkeiten nutzen“, den Bau dieser Pipeline von Süden her an die gemeinsame Landesgrenze zu verhindern, heißt es dort im rot-grünen Vertrag von Anfang 2013. Wenn Wiesbaden und Hannover sich weiter blockieren, hat die Empfehlung des runden Tisches – eine Pipeline bis zur Nordsee, die Werra und Weser Fabrik- und Haldenabwässer von K+S erspart – keine Chance auf Verwirklichung.

Aus der Grünen-Fraktion in Wiesbaden hieß es am Montag auf Anfrage, Grüne beider Länder seien sich keineswegs uneinig. Zwar erwähne der Koalitionsvertrag die Oberweser-Pipeline: Oberstes Ziel bleibe aber die Nordsee-Pipeline, so wie vom runden Tisch empfohlen.

Stefan Wenzel

Das lange Rohr zur Küste war und ist in Hessen politisch mehrheitsfähig. In Niedersachsen haben sich bislang nur die Grünen dazu bekannt. Von der SPD steht offiziell immer noch ein altes strammes Nein. Und die Forderung, vor weiteren Pipeline-Debatten müsse K+S alles daran setzen, Abwasser künftig noch stärker zu vermeiden. Dazu will das Kasseler Unternehmen sich heute äußern: Nach Informationen unserer Zeitung wurde nach mehreren Studien und Expertenterminen am runden Tisch in der Kasseler Konzernzentrale ausgiebig gerechnet. Es geht um die Frage, was eine neue Fabrik kosten würde, die die ab 2015 verbleibenden sieben Mio. Kubikmeter Salzabwasser jährlich den Flüssen von vornherein ersparen könnte - durch Verwertung oder Deponie untertage zum Beispiel.

Von Wolfgang Riek

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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