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US-Geheimdienst sieht Wendepunkt im Ukraine-Krieg: Der Westen steht aber weiter vor dem Waffen-Dilemma

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Von: Bedrettin Bölükbasi

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Der Ukraine-Krieg steht nach Einschätzung von westlichen Geheimdiensten vor einem entscheidenden Punkt. Für den Westen könnten nun harte Entscheidungen mit Blick auf militärische Unterstützung bevorstehen.

Washington/München — „Zerstörung auf ganz großer Bandbreite“: So fasste Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg im Hauptquartier des Bündnisses die aktuelle Lage im Ukraine-Konflikt zusammen. Die Truppen des russischen Machthabers Wladimir Putin greifen die Ukraine weiterhin an und zielen in erster Linie darauf ab, den Donbass vollständig einzunehmen, das berichtet auch Merkur.de. Diese Karte zeigt, wo der Ukraine-Krieg wütet.

Nach Einschätzung von westlichen Geheimdienst- und Militärbeamten gegenüber dem US-Sender CNN ist der Ukraine-Krieg nun an einem entscheidenden Punkt angelangt. Die Beamten gehen von verschiedenen Szenarien aus. Von weiterem russischen Vormarsch in der Ostukraine, bis zu einer Pattsituation oder der Neudefinition der russischen Kriegsziele samt Ausrufen des Sieges und Kampfende. Für den Westen könnten dabei harte Entscheidungen am Horizont stehen. Immerhin belastet die ständige Versorgung der Ukraine mit Waffen das Inventar der eigenen Armeen. Hinzu kommen die wirtschaftlichen Folgen des Konflikts.

Ukraine-News: Probleme mit Ausbildung für westliche Waffen - Ukraine nutzt Teil der Waffen wohl nicht

Um Russland militärisch effektiv entgegenwirken zu können, benötigt das ukrainische Militär insbesondere schwere Waffen. Nato-Generalsekretär Stoltenberg signalisierte die Bereitschaft des Bündnisses, noch mehr schwere Waffen zu liefern. Auch Deutschland gab ein historisches Go für die Lieferung von schweren Waffen und will die Ukraine unter anderem mit der Panzerhaubitze 2000 unterstützen. Die USA liefert ebenfalls M777-Haubitzen. Mehrere westliche Länder schließen sich den Lieferungen an.

Dennoch sorgt ein entscheidender Faktor für Probleme bei der effektiven Unterstützung beziehungsweise Nutzung der gelieferten Waffen. Ukrainische Streitkräfte zeigen eine deutliche Präferenz für sowjetische Systeme, da die Soldaten in diesen Waffen bereits geschult sind und Erfahrung bei deren Bedienung haben. Bei den westlichen Waffen, die im Vergleich zum Anfang des Konflikts nun deutlich zahlreicher geliefert werden, müssen die ukrainischen Soldaten zunächst ausgebildet werden. Allerdings: Dies nimmt Zeit in Anspruch. Zudem müssen Soldaten, die ausgebildet werden sollen, von der Front abtransportiert werden. Dort benötigt das ukrainische Militär jedoch jeden Mann.

So nutzen ukrainische Soldaten offenbar die von den USA bereitgestellten High-Tech Switchblade-Kamikazedrohnen nicht, obwohl hunderte Exemplare der Waffe geliefert wurden, wie CNN unter Berufung auf eine Quelle, die sich mit entsprechenden US-Geheimdienstinformationen auskennt, berichtete. Stattdessen würden ukrainische Soldaten mit Sprengstoff versehene kommerzielle Drohnen nutzen. Der von der Regierung von US-Präsident Joe Biden angekündigte Mehrfachraketenwerfer Himars sei ebenfalls immer noch nicht zum Einsatz gekommen, da man erst drei Wochen Training benötige, so ein Beamter gegenüber CNN.

Ukraine-News: Dilemma für Westen - Waffenlieferungen sorgen für Defizite im eigenen Inventar

Inmitten der heftigen Kämpfe finden sich westliche Staaten in einem Dilemma, dass sie immer kräftiger plagt. Um der russischen Aggression ein Ende zu setzen, erklären sich westliche Länder zwar bereit dazu, die Ukraine mit Waffen zu unterstützen, müssen jedoch um ihr eigenes militärisches Inventar bangen. Westliche Regierungen einschließlich der USA seien besorgt über die Tatsache, dass Waffenlieferungen am für die eigene Verteidigung kritischen Inventar zerrt, berichtete CNN und zitierte einen US-Beamten: „Die Sorge ist berechtigt.“

Darüber hinaus führen auch steigende Energiepreise sowie die hohe Inflation zu einer unruhigen Situation. Immerhin beeinflussen die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ukraine-Krieges das tägliche Leben der einfachen Bürger. Demnach fürchten westliche Beamten laut dem US.Sender, dass die Unterstützung der Ukraine in den Hintergrund fällt und allmählich abnimmt. Auch in Deutschland befindet sich die Inflation inzwischen auf dem höchsten Stand seit 50 Jahren. Der Westen sieht sich daher zwischen Unterstützung der Ukraine und wirtschaftlichen Folgen des Konflikts mit einer schwierigen Situation konfrontiert. (bb)

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