Aussage beim britischen Parlament

Whistleblower behauptet: Facebook und andere Apps lauschen bei Usern mit

+
Christopher Wylie bei seiner Befragung im britischen Unterhaus

Der Facebook-Skandal beschäftigt die Politik - und er muss noch lange nicht auf dem Höhepunkt sein. Whistleblower Wylie hat vor dem britischen Unterhaus brisante Vorwürfe erhoben.

London - Facebook steckt in der Krise: Ein gigantisches Datenleak, das von der Firma Camebridge Analytica zur Wählerbeeinflussung missbraucht worden sein soll, heikle Gespräche mit erbosten Politiker in Deutschland, Großbritannien und den USA - Mark Zuckerberg hat so einige Sorgen. 

Möglich scheint aber, dass sich die Lage sogar noch weiter verschlimmert - und weitere Internetriesen in den Sog gezogen werden. Denn der frühere Cambridge Analytica-Mitarbeiter und Whistleblower Christopher Wylie hat nun vor einem Ausschuss des britischen Unterhauses eine äußerst brisante Aussage gemacht.

Whistleblower sagt: Apps schneiden Umgebungsgeräusche mit

Bei einer Befragung durch Abgeordnete am Dienstag erklärte Wylie laut einem Bericht der Daily Mail, Facebook und andere Firmen nutzten Smartphones, um bei ihren Usern mitzulauschen: „Nach meinem Verständnis verwenden Unternehmen - nicht nur Facebook, sondern generell Apps, die Audio mitschneiden - Aufnahmen, um den Umgebungs-Kontext zu verstehen“, sagte er auf eine Frage des Tory-Abgeordneten Damian Collins.

Zugleich beschwichtigte Wylie. „Das bedeutet nicht, dass sie lauschen, was Sie sagen. Es geht nicht um die Verarbeitung von natürlicher Sprache. Das wäre schwierig herauszufiltern.“ 

Allerdings könnten Apps analysieren, ob sich Nutzer in einem Umfeld mit lauten Konversationen, oder etwa am Arbeitsplatz aufhalten. Das Ziel: Werbeanzeigen maßgeschneidert ausspielen. Konkrete Namen weiterer betroffener Unternehmen nannte der Whistleblower offenbar nicht.

Schlagzeilen gemacht hatte zuvor bereits eine andere Behauptung Wylies. Mehreren Zeitungen erzählte der Kanadier am Dienstag, Cambridge Analytica sei mit anderen Unternehmen auch während der Pro-Brexit-Kampagne aktiv gewesen.

Grüne üben Kritik an Barleys Verhandlungen mit Facebook

Erst am Montag hatte Justizministerin Katarina Barley (SPD) Vertreter Facebooks zu einem Gespräch getroffen. Das Unternehmen habe sich unter anderem verpflichtet, alle Betroffenen unerlaubter Datennutzung zu informieren, sagte sie nach den Unterredungen. 

Allerdings gibt es auch Kritik an den Ergebnissen der Verhandlungen. „Viele der Dinge, die jetzt großspurig angekündigt werden, muss Facebook sowieso machen“, sagte der Netzexperte und stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen, Konstantin von Notz, am Donnerstag in einem Interview mit dem rbb-Inforadio. Facebook sei „maximal unglaubwürdig“, betonte er.

Lesen Sie bei merkur.de*: Facebook-Konto löschen oder Anbieter-Wechsel? So einfach geht‘s bald

fn

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.