Fehler können fatale Folgen haben

Erst den Chef informieren: Die wichtigsten Spielregeln bei der Krankmeldung

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Dicker Kopf, laufende Nase: Im nass-kalten Wetter haben Erkältungen Hochsaison. Wer verschnupft und vergrippt im Bett bleibt, muss aber sofort seinem Arbeitgeber Bescheid sagen.

Herbst und Winter sind Erkältungszeit. Arbeitnehmer, die morgens im Bett bleiben, weil der Kopf schmerzt und die Nase läuft, müssen einige Spielregeln bei der Krankmeldung beachten. Tun sie das nicht, riskieren sie eine Abmahnung und im schlimmsten Fall ihren Job.

Zu krank zum Arbeiten: Wie schnell müssen Beschäftigte ihrem Chef Bescheid sagen?

Unverzüglich, so will es das Gesetz. Das heißt: Sobald der Beschäftigte weiß, dass er krank ist, spätestens zu Dienstbeginn. Wer erst zum Arzt geht und den Chef Stunden später anruft, riskiert eine Abmahnung. Das gilt übrigens auch dann, wenn die Krankheit länger dauert als zuerst mitgeteilt, sagt der Kasseler Arbeitsrechtler Roland Wille. Dem Chef muss mitgeteilt werden, wie lange der Ausfall voraussichtlich dauert, damit sich der Betrieb darauf einstellen kann. .

An wen muss sich die Krankmeldung richten? 

An den Arbeitgeber. Das muss nicht immer der Chef persönlich sein. Die Person muss aber dazu befugt sein, die Krankmeldung entgegen zu nehmen, etwa ein Personalleiter oder Dienstvorgesetzter. Nur einem Kollegen Bescheid zu sagen reicht nicht.

Wie muss die Krankmeldung aussehen? 

Wenn der Arbeitgeber keine Vorgaben macht, kann sich der Beschäftigte aussuchen, ob er sich per Telefon, E-Mail oder Fax krankmeldet. „Keine SMS verwenden“, rät Rechtsanwalt Wille. denn der Arbeitnehmer ist dafür verantwortlich, dass seine Krankmeldung korrekt ankommt. Ein Anruf sei immer korrekt.

Ist die Krankmeldung das selbe wie ein Attest? 

Nein. Das Attest, im Volksmund gelber Schein genannt, ist nur der Nachweis der Arbeitsunfähigkeit, den der Arzt ausstellt. Die Krankenkasse bekommt die Version mit Diagnose, der Arbeitgeber die Bescheinigung, auf der kein Befund steht.

Wann muss das Attest beim Arbeitgeber sein? 

In der gedruckten Ausgabe am Mittwoch lesen Sie außerdem:

- Krankmeldung – so entschieden Richter

- Hintergrund: Fast jeder Zweite wird krank

- Kommentar: Krankfeiern war gestern

Das hängt vom Arbeitsvertrag und dem ab, was im Betrieb üblich ist, spätestens aber nach drei Tagen. Dabei zählen Wochenende und Feiertage mit. Wer am Freitag erkrankt, muss also am Montag ein Attest vorlegen, Ebenfalls wichtig: Arbeitgeber dürfen schon am ersten Tag ein Attest verlangen, und zwar ohne Begründung, entschied das Bundesarbeitsgericht in Erfurt vor einem Jahr – es sei denn, im Arbeits- oder Tarifvertrag steht ausdrücklich etwas anderes. (Az.: 5 AZR 886/11).

Krank im Urlaub: Sind die freien Tage nun weg? 

Nein. Bereits genommener Urlaub verfällt bei Krankheit nicht. Wer in den Ferien flach liegt, muss sich aber genauso unverzüglich am ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit beim Arbeitgeber krankmelden, und seine genaue Urlaubsadresse mitteilen. Wichtig: Der wegen Krankheit nicht verbrauchte Urlaub muss neu beantragt werden.

Wie sieht es während der Krankheit mit Gehalt aus? 

Wer ausfällt, bekommt laut Gesetz sechs Wochen Lohnfortzahlung, vorausgesetzt, das Arbeitsverhältnis besteht seit mindestens vier Wochen. Liegt dem Arbeitgeber kein Attest fristgerecht vor, kann er den Lohn für diese Zeit kürzen. Wird der gelbe Schein nachgereicht, muss er nachzahlen.

Keine Gehaltsfortzahlung mehr – was nun? 

Ab der siebten Woche zahlt die Krankenkasse. In der Regel beträgt das Krankengeld 70 Prozent des Bruttogehalts aber höchstens 90 Prozent vom netto, längstens für 78 Wochen.

Muss jemand, der viel krank ist, die Kündigung fürchten? 

Ja, bei sehr hohen Ausfallzeiten über einen längeren Zeitraum. Die Hürden dafür sind aber hoch. Der Arbeitgeber muss nachweisen, dass betriebliche Interessen schwer beeinträchtigt sind und auch in Zukunft ähnlich hohe Ausfallzeiten zu erwarten sind.

Von Barbara Will

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