FDP wieder da: Was kleine Wahlerfolge bewirken

Der beim Bundesparteitag der FDP am Wochenende in Berlin wiedergewählte FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner (36) will die FDP nach ihrer Abwahl im Bund 2013 zurück ins Rampenlicht führen.

Die FDP gibt sich zwei Jahre nach ihrem Aus im Bundestag runderneuert - Aber ist sie das wirklich? Eine Analyse von unserem Berliner Korrespondenten Werner Kolhoff.

Berlin. Wenig beachtet von der Öffentlichkeit hatte die FDP am Wochenende in Berlin einen bemerkenswerten Parteitag. Jedenfalls gemessen daran, dass sie vor zwei Jahren aus dem Bundestag geflogen ist. Sie präsentierte sich geschlossen und selbstbewusst, es gab großen Andrang auf die Vorstandsposten und ziemlich sachliche Diskussionen um ein Zukunftsprogramm.

Zwei Erfolge in den - mit Verlaub - recht kleinen Bundesländern Bremen und Hamburg können das nicht erklären. Die Partei hätte in ihrer außerparlamentarischen Zeit auch auseinanderfliegen oder sektiererisch werden können. Gerade die FDP, die nach dem Krieg fast pausenlos mitregierte und darin zuletzt ihren wesentlichsten Sinn zu sehen schien, war da hochgefährdet.

Dass es ist nicht so gekommen ist, ist der konzentrierten Arbeit und Disziplin des verbliebenen Restes zu verdanken, allen voran des Vorsitzenden Christian Lindner. Und auch der Tatsache, dass die Alten, von Westerwelle bis Rösler, von Niebel bis Brüderle, so sang- und klanglos in die politische Versenkung und/oder den Lobbyismus gegangen sind. Ohne Fouls.

Freilich, das Wahldesaster vom September 2013 ist nicht aufgearbeitet worden. Ein Grund für den Niedergang war etwa der Personenkult. Er ist wieder da. So wie die FDP vor acht Jahren Westerwelle zujubelte, vor vier Jahren Rösler, ist es jetzt Lindner. Das Zampano-Prinzip ist aber ein gesellschaftlich überkommenes und auch der liberalen Idee widersprechendes Führungsmodell. Wenn der Spitzenmann scheitert, scheitert die Partei. Außerdem endet ein solches Leitungsprinzip schnell in Intrigen und Entsolidarisierung, sobald es schlecht läuft. Individualisten gibt es bei den Liberalen dafür genug, auch rücksichtslose. Lindner kommt zwar leiser und intellektueller daher als seine Vorgänger, aber eine gewisse Gefallsucht ist auch bei ihm schon unübersehbar.

Und auch inhaltlich ist das Ausscheiden aus dem Bundestag nicht reflektiert worden. Dort gibt es, mit Ausnahme des Wirtschaftsflügels der Union, nur Umverteiler und Staatsgläubige. Nicht, dass man die FDP-Positionen richtig finden muss. Doch in einer ausgesprochen erfolgreichen Leistungsgesellschaft wie Deutschland haben sie ihren Platz. Die AfD ist viel zu unseriös und zu rückständig, um die FDP ersetzen zu können.

Aber auch sie ist ihren eigenen Leitideen in der Regierungspraxis nicht immer gefolgt. Man denke nur an die Klientelpolitik für Hoteliers. Die Bekämpfung der Energiewende. Oder das Nein zur Frauenquote. In vielen Bereichen ist der Mittelstand im Denken und Handeln weiter als seine selbst ernannte Interessenvertretung.

Nie aber hat man seit dem Herbst 2013 den Satz gehört: Jawohl, da haben wir Fehler gemacht. Dabei braucht Deutschland eine FDP, die sich personell, inhaltlich und auch stilistisch erneuert. Anfänge sind in Berlin gemacht worden. Zweifel bleiben.

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