"Schneeloses Land für Wintersport begeistern"

Wiesbadener wollen für Togo zu Winter-Olympia

Wiesbaden. Sie leben ihren eigenen olympischen Traum. Zwei Wiesbadener wollen für Togo zu den Winterspielen. Das westafrikanische Land ist jetzt schon aus dem Häuschen.

Sie wollen den Winter nach Westafrika holen: Die beiden Wiesbadener Ennio Herrgen und Steve Grundmann bereiten sich seit Monaten in der hessischen Landeshauptstadt darauf vor, für Togo bei den Olympischen Winterspielen 2014 im Ski-Cross anzutreten. Sie wollen ein Land für den Wintersport begeistern, in dem niemals Schnee fällt. „Das ist für uns keine Spaßaktion“, sagt der 30-jährige Herrgen - ohne zu lächeln. Inzwischen hat sich bereits ein gutes Dutzend Unterstützer in Wiesbaden und Togo um die beiden Rennfahrer versammelt.

Die Idee kam den beiden Amateursportlern vor zwei Jahren im Schlepplift: „Wir wollten einfach wissen, wo wir stehen, wenn wir uns professionell auf einen Wettkampf vorbereiten können“, erklärt Herrgen. Ihrem Freund Roger Evenamede, der ursprünglich aus Togo stammt, erzählten die beiden Männer von ihrem Plan für Olympia - und die Sache kam ins Rollen. Evenamede ist jetzt Präsident des neugegründeten Togolesischen Skiverbands.

„Am Anfang dachten die Leute in Togo, wir meinen Wasserski“, erzählt Martin Piechaczek, Sprecher von Team Togo. Dann seien sie aber beim größten Fernsehsender Togos zu Gast gewesen, Radio und Zeitungen hätten groß berichtet, die Regierung und der König der Hauptstadt Lomé habe sie persönlich empfangen.

Die Uno zählt Togo zu den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt. Und auch nach der langen Herrschaft des Diktators Gnassingbé Eyadéma macht sich Togo nur langsam auf den Weg in Richtung Demokratie.

„Wir wollen Togo helfen, richtig auf die Beine zu kommen“, sagt Herrgen. Sein Team wolle verschiedene humanitäre Projekte unterstützen, darunter eine Eissporthalle mitten in Lomé. Der Deutsche Skiverband (DSV) freut sich jedenfalls über das neue Team: „Der großen Skifamilie tut es sicher gut, wenn sie noch internationaler wird“, sagte DSV-Sprecher Ralf Eder.

Die Fans sind da, jetzt fehlen nur noch Sponsoren. „Wir stellen uns Unternehmen vor, die einen Zugang nach Westafrika suchen“, sagt Herrgen: „Wir haben gute Kontakte und können Firmen helfen, auch über Togo hinaus in Afrika bekanntzuwerden.“ Wenn ein Sponsor gefunden ist, will der Immobilienkaufmann seine Festanstellung ruhen lassen, neben der deutschen auch die togolesische Staatsbürgerschaft annehmen und hart trainieren: Kraft, Ausdauer, Koordination - das volle Programm. Angebote für Trainingsgemeinschaften gebe es bereits von den Nationalteams aus Norwegen, Frankreich und der Schweiz.

Von Felix Frieler, dpa

Rubriklistenbild: © ap

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