Wildtierverbot: Zirkus in Deutschland bald Geschichte?

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Ein Elefant führt im Circus Krone in München ein Kunststück vor.

Berlin - Seit Jahren kämpfen Tierschützer für ein Verbot von Bären und Elefanten im Zirkus. Eine Empfehlung der Länder könnte nun zu einem Wildtierverbot führen. Zirkusvertreter warnen vor einer Katastrophe.

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Bundesländer für Wildtierverbot im Zirkus

Zirkusauftritte von Affen, Elefanten, Giraffen und Bären sollen nach dem Willen der Bundesländer verboten werden. Der vertraulich tagende Agrarausschuss des Bundesrats votierte nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ohne Gegenstimmen für ein entsprechendes Wildtierverbot. Am 25. November soll das Plenum der Länderkammer diese Ausschussempfehlung absegnen. Damit steigt der Druck auf die schwarz-gelbe Koalition, ein Aus für die Dressur von Wildtieren in den rund 250 deutschen Wanderzirkussen zu beschließen. Die FDP zeigte sich offen für eine entsprechende Entscheidung.

Scharfe Kritik kam von den Betroffenen. Bettina Richter vom Circus Voyage sagte dem Sender MDR Info, der Zirkus sei zum Spielball der Politik geworden. Im Zoo sei eine solche Tierhaltung auch nicht verboten. Wenn die Empfehlung der Länder umgesetzt werde, seien viele Arbeitsplätze betroffen. Das Kulturgut Zirkus könne verloren gehen.

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Die FDP sprach sich für ein Teilverbot der Wildtierhaltung im Zirkus aus. Bestimmte Wildtiere könnten im Zirkusbetrieb beim besten Willen nicht artgerecht gehalten werden, sagte der tierschutzpolitische Sprecher Hans-Michael Goldmann.

NRW-Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) betonte: “Ich sehe lieber Tiere in freier Wildbahn, als einen Tanzbären im Zirkus“. Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) sei nun aufgefordert, Tierquälerei in Zirkussen per Gesetz zu verbieten, sagte Daniela Freyer von der Organisation Pro Wildlife. “Manege und Zirkuswagen sind kein Lebensraum für Wildtiere wie Elefanten, Tiger und Affen.“

Bereits 2003 hatte der Bundesrat einen Anlauf für ein Verbot von Wildtieren unternommen, damals gab es unter Grünen-Agrarministerin Renate Künast aber verfassungsrechtliche Bedenken. Auch die Union argumentiert heute, ein Verbot könnte gegen die Verfassung verstoßen, weil es die Freiheit der Berufsausübung der Dompteure sowie das Eigentumsrecht unverhältnismäßig einschränken würde.

Vereinbart wurde zunächst nur ein Zirkusregister, um Zirkusse und die von ihnen mitgeführten Tiere zu erfassen. Zuletzt hatten Union und FDP im März einen Verbotsantrag der Grünen im Bundestag abgelehnt. Mit der Bundesratsinitiative kommt nun aber neue Bewegung in das Thema. Die Länder argumentieren, der im Grundgesetz verankerte Tierschutz sei höher zu bewerten als Einschränkungen der Berufsausübung.

In 13 europäischen Ländern ist die Haltung von Wildtieren inzwischen ganz oder teilweise verboten.

Von Georg Ismar

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