Fragen & Antworten

Urlaub: Wer per Mausklick bucht, soll besser geschützt werden

Die schönste Urlaubsstimmung kann dem Verbraucher vergehen, wenn der Reiseveranstalter plötzlich in Konkurs geht, Preise steigen oder die Leistung am Urlaubsort nicht stimmt. Die EU will den Schutz von Urlaubern deshalb ausbauen. Foto:dpa

Brüssel. EU Minister wollen verhindern, dass Urlauber, deren Reiseveranstalter pleite geht, auf den Kosten sitzen bleiben. Antworten auf die wichtigsten Fragen zu diesem Thema.

Wenn Reiseveranstalter bislang in Konkurs gingen, schauten Urlauber in die Röhre – jedenfalls dann, wenn es sich nicht um eine Pauschalreise mit umfassendem Versicherungsschutz handelte, sondern um eine selbst im Internet zusammengestellte Reise. Das wollen die zuständigen EU-Minister ändern. Wir sagen, worauf Urlauber künftig achten sollen.

Was ändert sich für Verbraucher, die sich den Urlaub im Internet selbst zusammenstellen? 

Hier gilt künftig auch die Pauschalreise-Richtlinie der EU. Ein Beispiel: Der Kunde bucht im Netz erst einen Flug, dann wird er gefragt, ob er auch ein Hotel braucht und zum Schluss geht es um einen Mietwagen. In diesen Fällen war man bisher nicht vor Schwierigkeiten geschützt, wenn ein Anbieter insolvent wurde. Nun gibt es einen Rechtsanspruch, auch im Fall eines Konkurses nach der Reise-Buchung aufgefangen zu werden.

Was ändert sich für Pauschalreisende? 

Böse Überraschungen gab es für sie bislang unter Umständen, wenn die Veranstalter Preiserhöhungen an den Kunden weitergegeben haben, nicht aber Preissenkungen. Das fand sich meist im Kleingedruckten. Veranstalter, die sich künftig das Recht vorbehalten möchten, Preiserhöhungen an den Kunden weiterzugeben, sollen nun verpflichtet werden, dies auch bei Preissenkungen zu tun. Das ist übrigens eine Neuerung nicht nur des europäischen, sondern auch des deutschen Rechtes.

Müssen deutsche Urlauber fürchten, dass das hohe Niveau der bisherigen Gesetzgebung für Pauschalreisen durch die aktualisierte EU-Richtlinie verwässert wird? 

Nein, im Gegenteil. Es bleibt bei wichtigen Rechten für Kunden. Dazu zählt zum Beispiel die Möglichkeit, von einer Reise, die jemandem bei einer „Kaffeefahrt“ aufgeschwatzt wurde, bis zu zwei Wochen nach Abschluss des Vertrages zurückzutreten. Diese Bestimmung haben die deutschen Unterhändler erst in die EU-Richtlinie hineinverhandelt.

Schützen die EU-Vorschriften auch, wenn die angebotene Leistung nicht mit dem Gebuchten übereinstimmt? 

Wenn man unterwegs statt im gebuchten Vier-Sterne-Hotel in einem Zwei-Sterne-Haus untergebracht wird, kann der Reisende nachträglich eine Reduzierung und Erstattung verlangen. Außerdem werden die Reiseanbieter verpflichtet, schwerwiegende Mängel im Zimmer wie Insektenbefall unverzüglich zu beheben. Tun sie das nicht, kann der Kunde die Probleme beseitigen lassen und dies dem Anbieter Rechnung stellen.

Gibt es auch einen Haken bei der neuen Richtlinie? 

Leider ja. Ein Rücktrittrecht gibt es neuerdings erst, wenn die Preise zwischen Buchung und Reisebeginn um acht und mehr Prozent erhöht werden. Im deutschen Recht liegt der Wert bislang bei fünf Prozent.

Wann tritt die Richtlinie in Kraft? 

Sie muss nun noch durch das Europäische Parlament gebracht werden. Danach haben die Mitgliedstaaten zwei Jahre Zeit, sie in nationales Recht zu übertrage. Somit treten die Änderungen wohl erst zur Urlaubssaison 2016 in Kraft.

Von Detlev Drewes

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