2014 knapp vier Millionen Euro Pacht für Hessen-Forst? - Debatte über Chancen für kommunale Betreiber

Windkraft wird zum Kassenfüller

Windrad zwischen Baumwipfeln: Hessen hat mit der Energiewende seine Wälder für solche Anlagen geöffnet. 343 000 Hektar sind in Staatseigentum. Foto: dpa

Kassel. Mit der Energiewende kann man richtig Geld verdienen. In den Büchern von Hessen-Forst etwa stehen Einnahmen aus Windstrom als fetter Aktivposten.

Der Landesbetrieb mit Sitz in Kassel rechnet für 2012 mit 232 000 Euro Pachteinnahmen aus Flächen im Staatswald, auf denen sich bislang 15 Windkraftanlagen drehen. Bis 2014 könnten die Erlöse zugunsten der Landeskasse auf fast vier Millionen Euro hochschießen: Sechs Windräder auf Staatswaldflächen im Bau, 54 weitere hat Hessen-Forst nach internen Unterlagen, die unserer Zeitung vorliegen, unter Vertrag.

Was Finanzminister Thomas Schäfer freut, macht andere misstrauisch: Joachim Wierlemann etwa, Vorsitzender des Landesverbandes WindEnergie (BWE), wirft Hessen-Forst eine Maximalpachtstrategie vor. Soll heißen: Gegenüber Höchstgeboten bleiben leicht Windstromer auf der Strecke, die da nicht mithalten können, aber andererseits Wert auf langfristige Projekte, regionale Wertschöpfung und Bürgerbeteiligung legen - etwa über Energiegenossenschaften.

Maximale Pachtprofite? Michael Gerst, Chef von HessenForst, widerspricht heftig: Man wolle marktgerechte Preise. Das sei nicht dasselbe wie Maximalpacht.

Bis zu 50 000 Euro pro Anlage und Jahr sind drin. Über den Wipfeln der Mittelgebirge liegen Hessens windhöffigsten Zonen. Im Vogelsberg, im Reinharsdwald und im Kaufunger Wald haben Interessenten ihre Fähnchen längst gesteckt. „Wir haben keine Dollarzeichen in den Augen“, beteuert Hessen-Forst-Chef Gerst. Man prüfe alle Angebote im Detail. Nachhaltigkeit, Akzeptanz und Wertschöpfung vor Ort, Lösungen mit regionalen Bietern seien auch seinem Haus wichtig.

In einem unveröffentlichten Bericht von Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU), den die Landtags-SPD beantragt hat, liest sich das so: Hessen-Forst sei „angehalten, ... diejenige Lösung zu finden, die es ermöglicht, dass die Kommunen von der Windenergie profitieren, die Wertschöpfung in der Region bleibt und Bürger in das Vorhaben mit einbezogen werden können.“ Ein Papier, mit dem Puttrich im Mai ihren Windkrafterlass erklärte, forderte noch, kommunale Windprojekten zu bevorzugen, wenn „mehrere Angebote zu gleichen Konditionen“ vorliegen. Zwei kommunale Windprojekte, räumt Puttrich ein, seien wegen zu magerer Pachtangebote bislang durchgefallen.

SPD: Akzeptanz wichtig

„Die Akzeptanz steht und fällt mit dem Betreiber“, warnt Timon Gremmels, SPD-Energieexperte im Landtag: Die Leute seien „eher bereit, Windkraft im Wald zu akzeptieren, wenn sie wissen, dass regionale Stadtwerke, Kommunen und Genossenschaften mehrheitlich den Windpark betreiben und nicht ortsferne Investmentfonds, die lediglich Geld aus der Region ziehen“.

Hintergrund

Heringen wagt sich aus der Deckung

• BWE-Windlobbyist Joachim Wierlemann bleibt dabei: zu wenig Chancen für kommunale Projekte, „weil Hessen-Forst immer wieder Maximalangebote anderer Bewerber anführt“, um die Pachtpreise zu treiben.

• Zu den Bürgermeistern, deren Klagen beim BWE landen, zählt Hans Ries aus Heringen (Hersfeld-Rotenburg): Zwei Projekte mit Hessen-Forst seien gut gegangen, zwei andere hakten. Heringen komme mit dem lokalen Wunschbetreiber nicht zum Zug, der sein Bürgerbeteiligungsmodell nicht auf Maximalpacht kalkulieren könne.

• „Windraddebatten mit Bürgern führen wir, nicht Hessen-Forst“, so Ries. Also müssten Kommunen auch profitieren, etwa über Gewerbesteuer. Oder Anteile der Pacht. Das fordern auch andere Rathauschefs. Geht nicht, sagt Ministerin Lucia Puttrich. Dann muss man eben die Landeshaushaltsordnung ändern, so SPD-Mann Timon Gremmels.

Von Wolfgang Riek

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.