Defektes Bauteil?

Windrad bricht an der Ostsee: Nur ein 25-Meter-Stumpf blieb stehen

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Trümmer am Boden, daneben der Turmstumpf: Windrad-Ruine an der Ostsee.

Süderholz. Dass Turbinenhäuser von Windrädern in 100 Metern Höhe brennen, kommt vor - 2016 schon mindestens achtmal. Die Feuerwehr schaut meist machtlos zu, normale Feuerwehrleitern reichen nur 30 Meter hoch.

Jetzt rätseln Fachleute über einen Totalschaden ganz anderer Art: Bei Süderholz nahe Stralsund an der Ostsee (Mecklenburg-Vorpommern) ist am Wochenende der 70-Meter-Mast einer Windenergieanlage (WEA) abgebrochen. Ein 25-Meter-Stumpf steht noch, Rotorenreste, Maschinengondel und anderer Schrott liegen am Boden. 

Verletzt wurde niemand. Beim Betreiber Ökofair Energie in Mettmann/NRW hieß es am Dienstag, Ursache des Einsturzes sei vermutlich ein defektes Bauteil. Einen Anschlag oder Manipulation hätten Experten ausgeschlossen.

Im Jahr 2000 gebaut

Der gefällte Riese ist Teil eines 21-Anlagen-Parks. Experten zufolge können solche Windräder im Regelfall 20 bis 25 Jahre laufen. Die Bruch-Anlage arbeitete laut Schweriner Volkszeitung (SVZ) seit dem Jahr 2000. Die Betreiber planten bereits technischen Ersatz - mit deutlich höheren Türmen. Die Bauaufsicht beim Landkreis Vorpommern-Rügen prüft derweil Wartungsprotokolle von Ökofair Energie. Sollten sich dort Lücken finden, werde der Windpark komplett gesperrt, hieß es.

Im Süden Brandenburgs war im Jahr 2014 ein Windrad der gleichen Baureihe in 30 Metern Höhe abgebrochen. Zusammenhänge werden geprüft. Gutachter hatten laut NDR damals „auffällige Rostspuren“ an Bruchstücken festgestellt. Der Lübecker Hersteller DeWind - erst ins Ausland verkauft, dann liquidiert - sei inzwischen vom Markt verschwunden, sagte Ökofair-Geschäftsführer Christian Herz.

In unserer Region ramponierte nahe Kassel ein Blitzschlag Anfang 2014 den Rotor einer von fünf neuen WEA in der Söhre. Im August schlug der Blitz im Park der Städtischen Werke erneut ein. Im März 2015 beschädigte Blitzschlag einen WEA-Rotor im Knüll.

Und die Brandgefahr? „Der Turm der Anlage selbst ist nicht brennbar“, sagt Wolfram Axthelm vom Branchenverband BWE. „Dagegen kann die Elektrik im Maschinenhaus hinter dem Rotor Feuer fangen.“ Auch die Hülle des Maschinenhauses kann brennen, der Rotor oder das Trafohäuschen am Boden. Getriebeschäden seien feuergefährlich, ebenso Fehler in der Elektrik oder Blitzschlag. Schutz für die ferngesteuerten Türme gibt es durchaus: Spezialisten bieten ein Leitungs- und Düsennetz, das bis hinauf zur Spitze per Stickstoff löschen kann.

Hintergrund

2016: Sieben

Brände oder mehr

Bekanntgewordene Schäden an Windenergieanlagen im laufenden Jahr

28.8.2016: 100-m-Windrad in Isselburg/Münsterland fängt Feuer und brennt ab. Löscharbeiten in solchen Höhen sind unmöglich.

5.8.2016: WEA-Brand in Scholen (Kreis Diepholz).

18.7.2016: Windrad in Oldersbek (Kreis Nordfriesland) fängt in 70 Metern Höhe Feuer. Kräftiger Wind facht die Flammen an, Teile fliegen 100 Meter weit.

7.7.2016: WEA-Gondel brennt bei Lathen (Kreis Emsland).

9.6.2016: Bei Martinshöhe/Südpfalz brennt eine WEA-Turbine in 100 Metern Höhe.

23.5.2016: Ein Sturmunwetter reißt im Kreis Paderborn zwei Flügel eines Rotors ab.

1.5.2016: Rotorblatt einer WKA bei Kloster Lehnin (Brandenburg) reißt ab. Ein Blitzschlag?

5.4.2016: In 70 Metern Höhe brennt eine WEA-Gondel bei Oederquart (Kreis Stade), zwei Rotorblätter stürzen brennend aufs Feld.

14.1.2016: WEA-Gondel bei Uedem/Niederrhein fängt Feuer. Zwei Monteure retten sich verletzt. Quelle: BWE

• 26.561 Windräder liefen Ende Juni bundesweit, davon 5783 in Niedersachsen und 918 in Hessen.

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