Wintershall wirbt für Fracking

Berlin / Kassel. 20 Mio. Euro will der Kasseler Öl- und Erdgasförderer Wintershall in den kommenden Jahren allein am niedersächsischen Standort Barnstorf investieren. Aber nur, wenn es einen „verlässlichen und verhältnismäßigen“ Rechtsrahmen gibt.

Das sagte Andreas Scheck, Leiter Wintershall Deutschland, am Montag in Berlin. Scheck zielt auf ein Gesetzespaket, mit dem das umstrittene Fracking (siehe Stichwort) eine Rechtsgrundlage bekommen soll.

Am kommenden Freitag steht die Abstimmung im Bundestag an. Was politisch diskutiert werde, enthalte „teils überzogene Anforderungen, die auch wissenschaftlich nicht nachvollziehbar sind und zu unverhältnismäßig hohen Belastungen führen“, klagte Scheck.

Grob jeder zehnte Kubikmeter Erdgas, den Deutschland verbraucht, kommt noch aus eigener Förderung - Tendenz sinkend. Dieser Rest aber wird fast komplett in Niedersachsen gewonnen.

Wintershall konstatiert seit 2011 einen Rückgang der heimischen Erdgasproduktion um fast ein Drittel. Und sieht unter dem damals vereinbarten Fracking-Moratorium (siehe Hintergrund) auch Lagerstätten leiden, in denen seit den 60er-Jahren gefrackt wurde, ohne dass das groß auffiel.

Das nahe Holland hat wegen zunehmender Erdbeben im Gasfördergebiet eine deutliche Drosselung der Produktion angesagt. Davon ist in Hannover keine Rede - auch wenn mittlerweile Zusammenhänge zwischen Förderung und wackelnden Wänden „sehr wahrscheinlich“ genannt werden.

Linie der rot-grünen Landesregierung: In höher liegenden Schiefergasschichten will Hannover Fracking verbieten. Fracking im Tight Gas, also sehr tiefen Sandsteinlagern wie sie in Niedersachsen überwiegen, soll aber wieder gehen. Kein Wunder: Allein Wintershall zahlt nach eigenen Angaben pro Jahr 600 Mio. Euro Förderabgabe auf Öl und Gas ans Land. Wo gefrackt werden darf, da soll es aber künftig ein Planfeststellungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung und Öffentlichkeitsbeteiligung geben: Das müsste der Bundestag im Bergrecht neu festschreiben.

• Gesetzentwürfe, Fragen & Antworten der Bundesregierung

• Kritik der Umweltorganisation BUND

Hintergrund

• Maximal zehn Milliarden Kubikmeter (m3) Erdgas hofft Wintershall über mehrere Jahrzehnte aus der Bohrung Düste Z10 bei Barnstorf (Kreis Diepholz) zu fördern. Das sind nur erste Prognosen. Um zu sehen, ob Förderung überhaupt lohnt, sind bis zu sieben Fracks und mehrmonatige Fördertests nötig.

• Zum Vergleich: Deutschlands Erdgasverbrauch wird für 2014 mit 84 Mrd. m3 angegeben, die einheimische Erdgasproduktion mit neun Mrd. m3.

• Im Gefolge der deutschlandweiten Fracking-Pause, auf die sich Behörden und Rohstoffbranche 2011 unter dem Druck öffentlicher Kritik einigten, gingen auch für Düste Z 10 die Lichter auf Rot. Verboten ist Fracking nicht. Nach geltendem Bergrecht hätten Gasfirmen, die gegen das Nicht-Erlauben klagen, keine schlechte Chancen.

Stichwort

• Beim Fracking werden große Mengen Wasser, Stützmittel sowie chemische Zusätze von oben durch Bohrlöcher unter extrem hohem Druck in gashaltige Gesteinsschichten gepresst. So werden dort Poren aufgesprengt, durch die Gas (oder auch Erdöl) zum Bohrloch strömt, das ohne Fracking im Gestein gebunden bliebe. (wrk)

• Wintershall zu Düste Z 10

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.