„Wir benennen die Ängste“

Interview: Alexander Gauland über Themen und Ziele der AfD

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Alexander Gauland

Die AfD gehört zu den Gewinnern der Landtagswahlen in Thüringen und Brandenburg. Ihr Aufstieg bereitet den anderen Parteien Kopfzerbrechen. Unsere Autorin Nina Nickoll spricht mit Alexander Gauland, dem AfD-Spitzenkandidaten in Brandenburg, darüber, warum die AfD so erfolgreich ist.

Im Wahlkampf hat die AfD auf Themen wie die Überlastung der Sozialsysteme durch Asylbewerber gesetzt, Themen, die bei den Menschen mit Angst besetzt sind. Spielen Sie damit? 

Alexander Gauland: Wir spielen gar nicht mit den Ängsten der Menschen, sondern nehmen die Themen ernst, die sie umtreiben. Es hat ja keinen Zweck so zu tun, als ob etwas nicht vorhanden wäre, weil wir es nicht erwähnen - so wie die anderen Parteien. Wir lassen uns nicht den Mund verbieten. Es ist eine demokratische Erneuerung, dass wir so erfolgreich sind.

Was sagt es über den Zustand unserer Demokratie aus, dass eine Partei rechts von der Union bei drei Landtagswahlen so erfolgreich war? 

Gauland: Wir sind keine Partei rechts von der Union, wir sind die Partei des gesunden Menschenverstandes. Wir haben die meisten Stimmen in Brandenburg von der Linken bekommen, 20 000 Stimmen. Ich glaube nicht, dass linke Wähler zu einer Partei rechts von der Union gehen. Wir haben auch Stimmen von der Union bekommen.

Anti-Feminismus, Angst vor Überfremdung und Europa, dass sind die Schlagworte, die man mit der AfD verbindet. Viel mehr haben sie inhaltlich nicht zu bieten? 

Zur Person 

Dr. Alexander Gauland (73), Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland (AfD) bei den Landtagswahlen in Brandenburg, war 2013 Mitbegründer der AfD. Geboren wurde er in Chemnitz, nach dem Abitur 1959 flüchtete er in die Bundesrepublik. Er studierte Politologie und Jura in Marburg, wo er auch promovierte. Gauland ist nicht nur Konservativer alter Schule, sondern Profi im politischen Geschäft. Rund vier Jahrzehnte gehörte er der CDU an, leitete unter Ministerpräsident Wallmann von 1987 bis 1991 die Staatskanzlei in Hessen. Sein Versuch, einen leitenden Ministerialrat zu versetzen, um Platz für einen ihm nahestehenden Kandidaten zu machen, wurde in Martin Walsers Roman „Finks Krieg“ verarbeitet. 1991 bis 2005 war er Herausgeber der Märkischen Allgemeinen. Danach war er als freier Publizist tätig. Er verließ die CDU, weil ihm Angela Merkel nicht konservativ genug war. Gauland lebt in Potsdam. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter. (nni)

Gauland: Das ist dummes Zeug. Wir haben uns zum Feminismus, dem ich skeptisch gegenüberstehe, überhaupt nie geäußert. Wir haben keine Angst vor Europa, sondern wir sagen: Der Euro ist eine Fehlkonstruktion, er spaltet Europa statt es zu einen. Wir wollen ein Europa der europäischen Vaterländer, aber kein Bürokratiemonster aus Brüssel, weil es auch keine europäische öffentliche Meinung gibt. Da kann man jetzt viel dazu ausführen. Und was war das dritte Schlagwort?

Die Angst vor Überfremdung, obwohl wir doch schon lange Zeit ein Einwanderungsland sind. 

Gauland: Die Frage ist doch: Kommen die Richtigen? Das ist das Problem.

Wer sind denn die Richtigen? 

Gauland:  Die, die in unserer Gesellschaft leben und arbeiten, die sich integrieren und die Sprache können. Und wer das nicht kann und will, hat in diesem Lande nichts zu suchen.

Sie sagen, dass die AfD nicht in die Mottenkiste der CDU greift. Aber was sind die neuen Themen, die Sie anbieten? 

Gauland: Das Neue ist, dass man diese Themen endlich mal anspricht und diskutiert. In Brandenburg war es zum Beispiel ein wichtiges Thema, dass das Land leer läuft und wir keine ärztliche Versorgung mehr haben. Die Zukunftsthemen sind: Wie sieht unsere Gesellschaft in 20, 30, 50, 100 Jahren aus, und wie gehen wir mit den Ängsten der Menschen um? Die Ängste rufen nicht wir hervor, sondern sie sind da, und wir benennen sie.

Und sie spielen damit.... 

Gauland: Wir spielen gar nicht, Entschuldigung, wir haben eine Demokratie: Wenn ich benenne, was Menschen umtreibt, bin ich Demokrat. Und wenn ich versuche, das zu unterdrücken, bin ich keiner.

Die anderen Parteien können sie nicht mehr ignorieren. Koalitionsgespräche will aber keiner mit ihnen führen. 

Gauland:  Rein rechnerisch können wir keine Koalition bilden, CDU und AfD wären nicht in der Lage, eine Koalition zu bilden.

Und mit welcher Partei könnten Sie es sich vorstellen? 

Gauland:  Mit keiner. Ich kann mir nur vorstellen, dass man über einzelne Punkte spricht. Wenn wir überhaupt über eine gemeinsame Arbeit reden würden, müsste die Union auf ihre Euro-Rettungspolitik verzichten. Sie wird es wohl nie tun, es sei denn, sie macht es so wie mit ihren anderen Themen, von der Kernenergie über die Wehrpflicht. Ist ja alles abgeschafft worden.

Von Nina Nickoll

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