TV-Sender in der Kritik

Wirbel um ARD: Hat das „Mittagsmagazin“ Assad-Propaganda ausgestrahlt? 

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Wegen diesem Beitrag im „Mittagsmagazin“ steht die ARD in der Kritik. 

Im „Mittagsmagazin“ versucht die ARD einen differenzierten Blick auf den Syrien-Krieg und die Quellenlage zu werfen. Doch genau diese Ausgeglichenheit vermissen Kritiker.

Mainz - Die ARD steht wegen eines Beitrags zum Syrien-Konflikt im „Mittagsmagazin“ in der Kritik. Mehrere Nachrichtenseiten und Journalisten warfen dem öffentlich-rechtlichen Sender auf Twitter einseitige Berichterstattung und Propaganda für das Assad-Regime vor. Auslöser ist ein gut achtminütiger TV-Beitrag, der einen differenzierten Blick auf den Syrien-Krieg und die unklare Quellenlage vor Ort werfen sollte. 

Nach den anfänglichen Filmsequenzen über den aktuellen Stand der Dinge im Bürgerkriegsland kam mit Günther Meyer, dem Leiter des Zentrums Orientforschung an der Uni Mainz, jedoch lediglich ein Experte zu Wort. Vor allem aber argumentierte Meyer nach übereinstimmender Meinung vieler Kritiker stark tendenziös zugunsten des Assad-Regimes. 

So erklärte Meyer unter anderem, man müsse nur betrachten, wer verantwortlich für die entsetzlichen und grauenhaften Bilder sei: „Alle Aufnahmen aus Duma wurden gedreht von den Weißhelmen“, so der Orient-Experte. Der Syrische Zivilschutz habe sich im Laufe der Zeit ein Image aufgebaut, das ihn glaubwürdig erscheinen lasse. „Die Hauptzielsetzung ist aber tatsächlich, solche Bilder zu inszenieren, um sie propagandistisch gegen das brutale Assad-Regime einzusetzen”, schloss Meyer sein Statement ab.

Meyers Worte blieben ohne Einordnung so stehen 

Eine Gegenposition wurde nicht dargestellt. Niemand widersprach Meyer, der bereits in der Vergangenheit mit Verschwörungs-Theorien auffiel. So bezeichnete er beispielsweise das Giftgasmassaker von Chan Scheichun am 4. April 2017 als „Inszenierung der USA“ oder den Ausbruch des Bürgerkriegs als Versuch der CIA, Syrien gezielt zu schwächen. Meyers Worte blieben also ohne Einordnung stehen. 

Dabei wäre eine kritische Einordnung beziehungsweise Auseinandersetzung gar nicht so schwierig gewesen: Stimmen, die das Gegenteil von Meyers Standpunkt behaupten, finden sich schließlich zuhauf. So will die investigative Recherche-Plattform „Bellingcat“ nach einer ausführlichen Auswertung von Beweisvideos und Augenzeugenberichten herausgefunden haben, dass die syrischen Streitkräfte den folgenschweren Angriff ausführten. Flugzeug-Beobachter hätten Hubschrauber vom Typ Mi-8 Hip etwa eine halbe Stunde vor dem Angriff von der Dmeir-Basis in Richtung Ost-Ghuta losfliegen sehen. Dieselben Helikopter seien kurz vor dem Angriff in der Stadt Duma in Ost-Ghuta selbst gesichtet worden. Zudem zeige Bildmaterial nach dem Angriff einen Gaszylinder auf dem Dach eines Hauses, in dem eine große Anzahl von Toten gefunden wurde. Ähnliche Zylinder seien schon bei vorherigen Gas-Attacken von Mi-8 Hip-Hubschraubern abgeworfen worden. 

Ein zerbombtes Haus in der syrischen Stadt Ghouta

Auch Frankreich hat laut Präsident Emmanuel Macron handfeste Beweise dafür, dass die syrische Regierung hinter der Giftgas-Attacke stecke. Der britische Guardian berichtet darüber hinaus sogar von einer groß angelegten Propagandaoffensive der russischen Regierung, die auf die Diffamierung der Weißhelme abziele - Meyers Äußerungen reihten sich demnach nahtlos in die Argumentation des von Wladimir Putin geführten Kreml ein. 

Eine Reaktion der ARD ließen zunächst auf sich warten. Gegenüber der HuffingtonPost erklärt das „Mittagsmagazin“ auf Twitter: „Das Interview war Teil eines Syrien-Schwerpunkts. Wir haben in diesem versucht zu zeigen, wie unübersichtlich die Quellenlage ist und dass hier viele verschiedene Interessen im Spiel sind.“ 

lpr

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