Wirbel um Urteil aus Kassel: Lufthansa gegen Betrieb auf neuer Landebahn

Christoph Franz

Kassel / Frankfurt Wirbel um die neue Landebahn Nordwest: Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport hat die Forderung von Lufthansa-Chef Christoph Franz, die Eröffnung der Piste zu verschieben, entschieden zurückgewiesen.

Man werde die Landebahn wie geplant am kommenden Freitag in Betrieb nehmen, teilte das Unternehmen am Sonntag in Frankfurt mit. „Eine zeitliche Verschiebung der Inbetriebnahme der neuen Bahn steht für Fraport nicht zur Debatte.“ Auch das Wirtschaftsministerium bleibt bei dem Termin: „Wir gehen davon aus, dass die Landebahn wie geplant in Betrieb genommen wird“, sagte ein Sprecher.

Franz hatte mit Blick auf die jüngste Entscheidung zum Nachtflugverbot verlangt, die Nordwestbahn erst dann in Betrieb zu nehmen, wenn auch das Bundesverwaltungsgericht über die Nachtflugregelung entschieden hat. Die vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel getroffene Entscheidung sei völlig unverständlich und „ein klarer Rückschlag für den Standort Deutschland“, zitiert der Spiegel den Manager. Man wolle gerne an dem bestehenden Status festhalten bis die Rechtsprechung eindeutig sei, begründete Lufthansa-Sprecher Klaus Walther den Vorschlag.

Der VGH hatte vergangenen Dienstag ein komplettes Nachtflugverbot vom 30. Oktober an beschlossen. In der Ausbaugenehmigung hatte die Landesregierung Nachtflüge zwar auch untersagt, aber 17 Ausnahmen zugelassen. Dagegen wurde geklagt. Mit der Nordwestlandebahn soll die Zahl der Starts und Landungen an Deutschlands größtem Airport um 50 Prozent erhöht werden.

Eröffnung unverzichtbar

Der Flughafenverband ADV wies die Forderung der Lufthansa „bei allem Verständnis für die schwierige Lage“ des Unternehmens zurück. „Auf eine planmäßige Eröffnung der neuen Bahn kann und darf nicht verzichtet werden“, sagte Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Die Kapazitäten der neuen Bahn „am überlasteten Flughafen Frankfurt werden dringend benötigt“.

Lufthansa-Chef Franz betonte, betroffen von dem Nachtflugverbot sei vor allem die Fracht, die sich teilweise andere Wege über ausländische Flughäfen suchen werde. „Der Preis für die neue Landebahn ist mit dem totalen Nachtflugverbot zu hoch.“

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Tarek Al-Wazir, wertete die Forderung der Lufthansa unterdessen als einen „Gipfel des Irrsinns“. „Das Nachtflugverbot war der Preis für den Ausbau. Wenn der Preis zu hoch ist, hätte Lufthansa sich von Anfang an gegen den Ausbau aussprechen müssen“, sagte er laut einer Sprecherin. (dpa)

Von Christian Rupp

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