Brahimi möglicher Annan-Nachfolger

Viele Tote in Aleppo - Bald neuer Vermittler?

+
Lakhdar Brahimi

Beirut / Damaskus - In Aleppo sterben Menschen vor einer Bäckerei. Die Weltgemeinschaft sucht nach einem neuen Friedensstifter. Im Gespräch ist der Algerier Brahimi. Die USA setzen auf die Rebellen, um Assad loszuwerden.

US-Außenministerin Hillary Clinton sucht in Istanbul an diesem Samstag nach neuen Wegen im Kampf gegen den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Clinton werde darüber mit syrischen Oppositionellen sowie mit dem türkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan und Präsident Abdullah Gül sprechen, teilte das US-Außenministerium am Freitag mit. Die USA versorgen die Rebellen unter anderem mit Satellitenbildern und Kommunikationstechnik.

Die Vereinten Nationen suchen derweil fieberhaft nach einem Nachfolger für ihren gescheiterten Syriengesandten Kofi Annan. Als Favorit galt am Freitag der Krisenexperte Lakhdar Brahimi. Der 78-jährige ehemalige algerische Außenminister habe “gute Chancen“, zum neuen Syriengesandten der UN und der Arabischen Liga ernannt zu werden, sagte ein westlicher Diplomat in Beirut. Ähnliches war auch von Diplomaten in New York zu hören. Brahimi hat Erfahrungen als UN-Sondergesandter unter anderen in Afghanistan und im Irak.

In Aleppo forderte der Krieg am Freitag zahlreiche Opfer in der Zivilbevölkerung. Eine Granate tötete vor einer Bäckerei mindestens elf Menschen. Die Menschen hätten sich wenige Stunden vor dem Fastenbrechen im Ramadan um Brot angestellt, sagte der Aktivist Bassam al-Halebi der Deutschen Presse-Agentur am Telefon. Ein weiteres Geschoss traf die mittelalterliche Zitadelle im Zentrum der umkämpften nordsyrischen Großstadt. Das Eingangstor sei beschädigt worden, teilte der oppositionelle Syrische Nationalrat mit.

Von unabhängiger Seite konnten diese Berichte nicht bestätigt werden. Wer die Granaten abfeuerte, war unklar. Zwar verfügen hauptsächlich die Regierungstruppen über Artillerie, doch haben auch die Aufständischen solche Waffen erbeutet und eingesetzt.

Nach Aktivisten-Angaben wurden am Freitag in Syrien mindestens 95 Menschen getötet, davon 56 in Aleppo. Seit Beginn der Proteste gegen das Assad-Regime vor 17 Monaten kamen nach UN-Schätzungen etwa 17 000 Menschen ums Leben, die meisten Zivilisten. Die Zahl der Vertriebenen liegt laut UN bei 1,5 Millionen Syrern.

Annan hatte wegen der mangelnden Friedensbereitschaft der Konfliktparteien und der Uneinigkeit der Vetomächte im Sicherheitsrat vor einer Woche das Handtuch geworfen. “Wir wünschen uns einen starken Nachfolger für Kofi Annan“, sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle in Berlin. Die exzessive Gewalt in Syrien erfordere “dringend den Einstieg in einen politischen Prozess“.

Clinton will in Istanbul von syrischen Aktivisten “Erfahrungen aus erster Hand“ erhalten. Sie werde Frauen, Studenten, Blogger treffen, aber keine bewaffneten Kämpfer, verlautete aus dem US-Außenamt. Clinton wolle erfahren, wie die US-Hilfe wirke und ob Washington mehr tun könne. Daneben setzen die USA auf Sanktionen gegen Syrien. Am Freitag setzte das US-Finanzministerium die staatlichen Ölkonzerne auf die schwarze Liste, weil sie Treibstoff an den Iran geliefert haben sollen. Zudem wurde US-Bürgern verboten, mit der Hisbollah im Libanon Geschäfte zu treiben, weil diese Assad unterstütze.

Großbritannien stellt den Rebellen in Syrien Ausrüstung für fünf Millionen Pfund (6,3 Millionen Euro) zur Verfügung. Dabei handle es sich nicht um tödliche Waffen, betonte Außenminister William Hague in London. Es gehe vor allem um Funk- und Kommunikationstechnik sowie medizinische Hilfe. Auch Schutzanzüge seien dabei. Die Mittel würden zusätzlich zur humanitären Hilfe in Millionenhöhe gewährt, die Großbritannien bereits nach Syrien geschickt hat.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, warf dem Assad-Regime eklatante Menschenrechtsverletzungen vor und verlangte die Freilassung aller politischer Gefangener. Als exemplarischen Fall nannte er den syrischen Menschenrechtler Masen Darwisch, der das Syrische Zentrum für Medien und Meinungsfreiheit geleitet hatte. Gemeinsam mit Mitarbeitern werde Darwisch seit dem 16. Februar an einem unbekannten Ort festgehalten. Es gebe Hinweise, dass ihm vor einem Militärgericht die Todesstrafe drohe.

dpa

Syrien: So wütet Assad gegen sein eigenes Volk

Syrien: So wütet Assad gegen sein eigenes Volk

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.