Beatrix von Storch (AfD) beleidigt Musik-Fans als "Merkels Untertanen"

#wirsindmehr: Das Konzert in Chemnitz war auch ein Konzert gegen die AfD

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Auch Die Toten Hosen mit Sänger Campino zeigten bei #wirsindmehr in Chemnitz Flagge gegen Rechts.

Chemnitz hat zuletzt viele negative Schlagzeilen gemacht. Um so wichtiger war das Konzert #wirsindmehr. Einmal mehr wurde deutlich, warum die AfD falsch liegt, urteilt unser Autor in seiner Reportage.

Plötzlich war es mucksmäuschenstill. 65.000 Menschen neigen den Kopf oder schauen betroffen ins Leere, sie schweigen, gedenken. Ein Gänsehautmoment. Dann wird es plötzlich wieder laut. Mitten in der Chemnitzer Innenstadt kamen am Montagabend zehntausende Menschen zusammen, um sich unter dem Motto „#wirsindmehr“ nicht nur ein Gratiskonzert anzuschauen, sondern vor allem um zu zeigen, dass sie es nicht hinnehmen, wenn der Tod eines Menschen von rechter Seite für Hetze und Jagd auf Ausländer und Linke missbraucht wird. Die Chemnitzer Indie-Band Kraftklub hatte zu dem Spektakel aufgerufen und zahlreiche befreundete Künstler auf die Bühne gebracht wie Marteria, Casper, KIZ, Trettmann und Die Toten Hosen.

Das Motto ging auf. Denn sie waren tatsächlich mehr. Vielmehr als man im Vorfeld gewagt hatte zu prognostizieren. Offenbar hatte man mit nur 20.000 Menschen gerechnet. Aus Sicherheitsgründen konnte das Konzert dann auch nicht wie geplant am Karl-Marx-Monument in der Innenstadt stattfinden, sondern wurde kurzfristig wenige hundert Meter weiter an die Johanniskirche verlegt.

„Uns ist schon klar, dass man mit einem Konzert am Montagabend nicht die Welt rettet. Aber wir leben in dieser Stadt und wollen das auch weiterhin. Wenn man dann sieht, was hier in den vergangenen Tagen passiert ist, braucht man einfach mal das Gefühl, nicht allein zu sein“, brachte es Kraftklub-Sänger Felix Brummer auf den Punkt. Denn die Veranstaltung hatte im Vorfeld nicht nur Begeisterung ausgelöst. Vor allem von Seiten der CDU wurde versucht, das Konzert zu diskreditieren. 

Der Beitrag stammt nicht von hna.de, sondern von der Video-Plattform Glomex und Itsin TV.

Kritik an Steinmeier

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier musste sich den Vorwurf gefallen lassen, er würde für „linksradikale Rockbands“ werben. Damit waren die Punkrocker von Feine Sahne Fischfilet gemeint, die vor Jahren wegen eines Songs mit kritischem Inhalt im Verfassungsschutzbericht des Landes Mecklenburg-Vorpommern erwähnt wurden. Vergleicht man aber die Texte mit denen von Rio Reiser aus seiner Zeit bei Ton Steine Scherben, die gemeinhin als deutsches Kulturgut gelten, kann man über diese Kritik nur schmunzeln. Und auch nicht, wenn man am Montagabend zugegen war. 65.000 Menschen feiern miteinander, zeigen, dass es auch friedlich geht, dass man seinem Gegenüber mit Toleranz begegnen kann. Und dafür warben auch Feine Sahne Fischfilet.

Der AfD-Fraktionsvize Beatrix von Storch war das aber egal. „Ihr seid nicht mehr. Ihr seid Merkels Untertanen, ihr seid abscheulich – und ihr tanzt auf Gräbern“, twitterte sie am Abend. Weniger Probleme hat sie offenbar damit, dass Menschen mit dunkler Hautfarbe unter Generalverdacht gestellt und durch die Chemnitzer Innenstadt gejagt werden. Oder dass der pöbelnde Nazimob Journalisten bedrängt. Dazu kein kritisches Wort aus ihrem Mund.

Von linker Gewalt ist an dem Abend aber überhaupt gar nichts zu spüren. Quer durch alle Altersgruppen zogen sich die Besucher. Viele waren weit angereist, aus dem gesamten Bundesgebiet. „Ich bin froh, dass so viele Leute hierher gekommen sind, damit wir zeigen können, dass Chemnitz eben nicht nur für Hass steht, sondern für Liebe“, sagte ein junger Chemnitzer. Oder wie Campino von den Toten Hosen zum Ende treffend formulierte: „Wir sind begeistert von diesem Abend. Und wenn das hier gewaltfrei bleibt, dann haben wir 5:0 gewonnen.“

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