Schleswig-Holstein will Tourismus Vorteil verschaffen

Wirtschaft contra Schulen: Ferienregelung auf der Kippe

Berlin. Damit die Kassen im Tourismus kräftig klingeln, will Schleswig-Holstein die zwischen den anderen Bundesländern bereits abgestimmte neue Sommerferienregelung für die Jahre 2018 bis 2024 blockieren.

Die parteilose Kultusministerin Waltraud Wende will bei der in Berlin tagenden Kultusministerkonferenz (KMK) Neuverhandlungen erzwingen und plädiert für einen früheren Start in die Sommerpause.

Das Ziel: Insgesamt soll für die Gestaltung der unterschiedlichen Ferientermine in der Republik ein 90-Tage-Korridor zur Verfügung stehen. Der bisherige Entwurf der neuen Ferienregelung hingegen sieht vor, dass der 20. Juni der früheste Termin sein soll. Im Schnitt ist über die Jahre ein Korridor von 81,6 Tagen geplant.

Unterstützt wird der Vorstoß aus Kiel von der Wirtschaftsministerkonferenz: Je nicht gewährtem Ferientag müsse mit geschätzten wirtschaftlichen Einbußen im Tourismus von rund 100 Millionen Euro gerechnet werden. „Diese werden von Urlaubern möglicherweise im Ausland ausgegeben, wenn die Anreise wegen der Verkehrssituation unattraktiv ist und es in deutschen Ferienregionen keine freien Betten mehr gibt“, heißt es in einem vom Kieler Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) initiierten Beschluss der Konferenz.

Die Kultusminister führen dagegen pädagogische Argumente an. So sollten die beiden Schulhalbjahre möglichst gleich lang sein, Unterrichtsphasen zwischen den Ferien mindestens sechs Wochen betragen und Prüfphasen für Abitur und Mittlere Reife zwischen Ostern und Sommerferien nicht zu sehr komprimiert werden – vor allem in den Jahren mit spätem Osterfest. Zudem müssten Klassenfahrten und Sportwettkämpfe zeitlich verteilt werden.

Die Sommerferien-Termine werden von den Bundesländern langfristig gelegt: Dabei starten in einem Jahr die einen Länder früher, im anderen Jahr die anderen. Das soll Verkehrsstaus und Engpässe im Tourismus vermeiden.

Das sagt der Tourismusverband

Die Tourismusverbände im Norden sind sich einig: Ein Korridor von bundesweit 71 Sommerferientagen ist zu gering. „Wir merken, dass die Nachfrage in diesem Zeitraum noch viel geballter ist als in früheren Jahren“, sagte der Chef des Warnemünder Hotels Neptun, Guido Zöllick, gestern. Gleichzeitig gebe es weniger Anfragen für außerhalb dieser Zeit. Nach den Gesetzen des Marktes bedeutet aber eine höhere Nachfrage höhere Preise. „Das kann nicht im Interesse von Familienpolitik sein“, sagte Zöllick. (dpa/wet)

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.