HNA-Interview

Wirtschaftsrechtler Michael Adams zum Verein ADAC: "Kranke Struktur"

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Michael Adams, emeritierter Prof. für Wirtschaftsrecht zum Verein ADAC

Nach zahlreichen Skandalen um den ADAC kämpft der Verein mit schwindenden Mitgliederzahlen. Aber finanziell steht er blendend da. Wir sprachen darüber mit dem Wirtschaftsrechtler Michael Adams.

Michael Adams, emeritierter Prof. für Wirtschaftsrecht zum Verein ADACWelche Privilegien genießt der ADAC dadurch, dass er ein Verein ist? 

Zur Person:

Dr. Michael Adams (66) ist emeritierter Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Hamburg. Adams wirkte an mehreren Gesetzen, u.a. zur Unternehmenskontrolle mit. Er ist verheiratet und lebt in Hamburg.

Michael Adams: Eigentlich hat er wenig Privilegien. Er muss wohl weniger Versicherungssteuer als Verein leisten. Der Hauptpunkt aber ist folgender: Der ADAC hat eine Konzern-Obergesellschaft, die alles kontrolliert. Die ist in Form eines Vereins strukturiert. Darunter gliedern sich teils gemeinnützige Gesellschaften, aber auch GmbHs, die Gewinne anstreben. Die Interessen des gesamten Systems vermengen sich also. Das Vereinsrecht bietet hier dem ADAC Vorteile, es ist eigentlich für nicht wirtschaftliche Vorgänge gedacht. Weil es sich an ideellen Interessen orientiert, ist es flexibel gestaltet. Es hat also zum Beispiel nicht die Kontrollvorschriften, die es etwa im Aktienrecht gibt. Auf diesem Weg wächst dem ADAC-Vorstand enorme Macht zu. Er kontrolliert sich selbst. Letztlich ist das eine kranke Struktur.

Was würde der Verlust des Vereinsstatus‘ für den ADAC bedeuten? 

Adams: Der ADAC würde aufgelöst. Das Vereinsvermögen würde an die Vereinsmitglieder ausbezahlt. Aber diese Lösung kommt nicht. Falls das Gericht eine unzulässige Vermengung von ideellen und wirtschaftlichen Interessen auf den verschiedenen Unternehmensebenen feststellen würde, wird es für den ADAC im Zuge der Auflösung eine Übergangsfrist geben, in der er sich zum Beispiel in eine Aktiengesellschaft umwandeln soll. Die Vereinsmitglieder wären dann Aktionäre.

Die Argumentation des ADAC ist ja: Wirtschaftliche Interessen und Profite müssen sein, um die Mitgliedsbeiträge bezahlbar zu halten? 

Adams:  Das ist ein vorgeschobenes Argument. Mitgliedsbeiträge stabil halten, könnte man auch innerhalb einer Aktiengesellschaftsform. Es geht beim Festhalten an der Vereinsstruktur unter anderem darum, dass man nicht wie ein normaler Vorstand abberufbar ist, dass man keinen Aufsichtsrat, keine Wirtschaftsprüfer und keine Regeln für gute Unternehmensprüfung vorgesetzt bekommt. (jsc)

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