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Putin sagt kurzfristig Reise ab – die Begründung des Kreml erregt Argwohn

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Von: Florian Naumann

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Wladimir Putin sitzt während eines Besuchs des Aeroflot-Flugtrainingskomplexes am 5. März 2022 im Cockpit eines Flugzeugsimulators. (Archivbild) © IMAGO/Mikhail Klimentyev/Kremlin Pool/Zuma Wire

Wladimir Putin bleibt zuhause – trotz eines groß angekündigten Trips in die Grenzregion. Die Begründung des Kreml provoziert Fragen.

Moskau/München – Lange Monate hatte sich Wladimir Putin rar gemacht und seine Amtsgeschäfte fast ausschließlich vom Kreml aus geführt – Angst vor einer (Corona-)Infektion wurde ihm nachgesagt. Mittlerweile ist Russlands Präsident wieder im eigenen Land und teils auch im Ausland unterwegs. Zuletzt etwa bei seinem belarussischen Verbündeten Alexander Lukaschenko.

Doch eine Reise in die Stadt Pskow nahe der estnischen Grenze hat Putin nun kurzfristig abgesagt. Die offizielle Begründung seines Sprechers Dmitri Peskow stößt dabei auf Argwohn im Ausland, berichtet merkur.de.

Wladimir Putin bleibt zuhause – Wegen schlechter „Flugbedingungen“?

Eigentlich sollte Putin öffentlichkeitsträchtig an der Eröffnung einer Titan-Polymer-Fabrik in der nordwestrussischen Großstadt teilnehmen. Die Leistungsfähigkeit der russischen Wirtschaft zu präsentieren ist dem Kreml angesichts der westlichen Sanktionen ein Anliegen. Doch Peskow überbrachte am Mittwoch (28. Dezember) eine Absage.

„Er sollte heute in die Region Pskow fliegen, auf einer Geschäftsreise, aber letztendlich ist das aufgrund der Flugbedingungen nicht möglich“, erklärte der Kreml-Sprecher laut der staatlichen Nachrichtenagentur Tass. Putin werde stattdessen per Videokonferenz zugeschaltet. Damit habe Peskow „gelogen“, behauptete das ukrainische Nachrichtenportal Nexta. „Die Wetterbedingungen in Pskow sind absolut normal.“

Putins Absage stößt in der Ukraine auf Argwohn – Meteorologen und Flight-Tracker geben keine Indizien

Tatsächlich meldete der Wetterdienst der BBC am Mittwochnachmittag kaum Auffälligkeiten für die Region Pskow. „Leichte Bewölkung“ und „leichter Wind“, dazu geringe Niederschlagswahrscheinlichkeit und Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt sagte die Meteorologen voraus. Für die an harte Winter gewöhnte russische Luftfahrt mutmaßlich kein Problem. Erst ab circa 23 Uhr steige die Wahrscheinlichkeit für leichte Schneefälle.

Für Moskau erwarteten die Wetterexperten schon für den Nachmittag leichten Niederschlag. Das Portal flightradar24.com meldete jedoch keine Annullierungen und nur geringe Verspätungen am Moskauer Großflughafen Scheremetjewo. Am Airport Pskow landeten und starteten noch am Morgen Flieger von und nach Moskau, ein Flug nach Kaliningrad am Abend sollte wie geplant stattfinden. Der Status zweier Nachmittagsflüge galt als unbekannt – das war in Pskow allerdings auch schon in vorangegangenen Tagen passiert.

Putin erntet Spott aus Estland: „Selenskyj besucht die Front, er eröffnet eine Fabrik“

Die Hintergründe der Absage dürften vorerst im Dunkeln bleiben, könnte aber unter anderem unbelegten Spekulationen über Putins Gesundheitszustand Vortrieb geben. Peskow hatte in seinem Pressebriefing unterdessen Forderungen an die Ukraine parat.

Aus dem Nachbarland Estland war jedenfalls schon im Vorfeld Spott über den Kurztrip in die Grenzregion laut geworden. „Der Besuch des russischen Diktators sollte wahrscheinlich Putins Tapferkeit zeigen, aber tatsächlich ist er ein Stück aus dem Spiegelkabinett“, spottete der estnische EU-Abgeordnete Riho Terras beim Portal Postimees. Während der ukrainische Konterpart Wolodymyr Selenskyj die Front in Bachmut besuche, eröffne Putin eine Fabrik. Tatsächlich hat Putin im Jahr 2022 das Kriegsgebiet nicht besucht. (fn)

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