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Wladimir Putin: Der Mann an der Spitze Russlands

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Von: Nail Akkoyun

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Wladimir Putin prägt seit 20 Jahren die russische Politik. Sein Einfluss auf Russland und das Verhältnis des Landes zur restlichen Welt ist enorm.

Moskau – Denkt man heutzutage an Russland, denkt man schnell auch an ihn: Wladimir Putin. Bereits seit 1999 regiert der im Jahr 1952 geborene Politiker das Land, zu Beginn etwa ein Jahr als Ministerpräsident, ab Mai 2000 dann als Präsident der Russischen Föderation. Da der Präsident nur zwei Legislaturperioden am Stück regieren darf, wechselte Putin von 2008 bis 2012 für weitere vier Jahre in das Amt des Ministerpräsidenten, ehe er im Anschluss erneut zum Staatspräsidenten gewählt wurde. Die nächsten Wahlen in Russland, bei denen Putin aufgrund einer Verfassungsänderung erneut antreten darf, stehen 2024 an.

NameWladimir Wladimirowitsch Putin
Geburtsdaten7. Oktober 1952, Sankt Petersburg (Russland)
Politisches AmtPräsident Russlands seit 2012

In Russland, aber insbesondere auch im Westen, wird die russische Regierung und Putin scharf kritisiert, da diverse politische Entwicklungen im Land als Verstoß gegen das Demokratieverständnis oder gar als demokratiefeindlich gesehen werden. In der jüngeren Vergangenheit dient etwa der Umgang der Regierung mit dem Putin-Kritiker Alexej Nawalny als Beispiel, sowie der russische Krieg gegen das Nachbarland Ukraine.

Der russische Präsident Wladimir Putin. (Archivbild)
Der russische Präsident Wladimir Putin. (Archivbild) © Alexander Demianchuk/Imago

Wladimir Putin: Aufgewachsen in Russland ‒ die Kindheit des Präsidenten

Geboren und aufgewachsen ist der russische Präsident, dessen voller Name Wladimir Wladimirowitsch Putin lautet, in Sankt Petersburg, das zu Sowjet-Zeiten noch den Namen Leningrad trug. Eine der wenigen Quellen über Putins Kindheit und Jugend ist dessen eigene Autobiografie, viele Historikerinnen und Historiker stellen die existierenden Informationen daher infrage.

Den eigenen Memoiren zufolge wuchs Wladimir Putin jedenfalls als dritter und jüngster Sohn von Eltern aus der Arbeiterklasse auf. Die zwei älteren Brüder sollen noch im Kindesalter verstorben sein. Der Autobiografie zufolge soll Großvater Spiridon Iwanowitsch Putin als Koch für die früheren russischen Machthaber Lenin und Stalin gearbeitet haben – diese Behauptung gilt jedoch als umstritten.

Schon früh begeisterte sich Putin selbst für zwei Bereiche, die noch heute sein Image als Präsident prägen: Der Kampfsport sowie Spionagefilme der sowjetischen Filmindustrie. Schon als Neuntklässler soll sich Putin erstmals als Agent für den sowjetischen Geheimdienst KGB (Komitee für Staatssicherheit) beworben, ehe er sich nach seinem Schulabschluss aber zunächst zu einem Jura-Studium entschloss.

Russland: Wladimir Putin auf einem Judo-Wettbewerb. Der Kampfsport gilt als ein Hobby des Präsidenten. (Archivfoto)
Russland: Wladimir Putin auf einem Judo-Wettbewerb. Der Kampfsport gilt als ein Hobby des Präsidenten. (Archivfoto) © Mikhael Klimentyev/Imago

Spion für die Sowjetunion: Wladimir Putin und der KGB

Nach seinem Studium machte Wladimir Putin im Jahr 1975 seinen Berufswunsch aus Kindestagen wahr und wurde zum Spion der Sowjetunion ausgebildet. Zehn Jahre später wurde Putin, inzwischen zum Hauptmann aufgestiegen, nach Dresden versetzt, wo er bis 1990 mit seiner ersten Ehefrau Ljudmila Alexandrowna Putina sowie den beiden Töchtern Maria (geboren 1985) und Jekaterina (geboren 1986) lebte.

In der ehemaligen DDR eignete sich die Familie Deutschkenntnisse an, wodurch Ljudmila Putina, die seit 2013 in Scheidung lebt, sogar einige Zeit als Deutschlehrerin arbeitete. Wenige Monate nach dem Mauerfall verließ die Familie Deutschland wieder. Putin wurde zurück in seine Heimatstadt Leningrad beordert, wo er an der Universität als Assistent des Rektors für internationale Fragen anheuerte.

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Zurück in die Heimatstadt: Wladimir Putins politische Anfänge in Russland

Die politische Karriere von Wladimir Putin begann mit dessen Wechsel in die städtische Verwaltung von Leningrad, in der sein ehemaliger Professor Anatoli Sobtschack das Stadtparlament leitete und Putin für die Abteilung für Außenbeziehungen einstellte. Nur zwei Jahre später wurde Putin 1992 unter Sobtschack zum Vizebürgermeister der Stadt, die mittlerweile seit einem Jahr den Namen Sankt Petersburg innehatte. Als Sobtschack 1996 nicht wiedergewählt wurde, trat auch Wladimir Putin zurück und engagierte sich fortan im Wahlkampfteam von Boris Jelzin für die anstehende Präsidentschaftswahl.

Erst einmal gewählt, nahm Jelzin Putin unter seine Fittiche und ermöglichte dem späteren Präsidenten eine Karriere im Kreml. Zunächst stieg Putin zum stellvertretenden Chef der Präsidialverwaltung auf, ehe er im August 1999 von der Duma, dem russischen Unterhaus, zum Ministerpräsidenten Russlands gewählt wurde. Als Jelzin rund ein halbes Jahr später sein Amt als Präsident niederlegte, übernahm Putin kommissarisch die Amtsgeschäfte. Die darauf folgende Präsidentschaftswahl am 26. März 2000 gewann er mit etwas über 50 Prozent der Stimmen.

In den ersten beiden Amtszeiten fielen richtungsweisende politische Entscheidungen, wie die Zentralisierung der politischen Macht in Moskau gegenüber wiederkehrenden Autonomie-Bestrebungen einzelner Regionen, wie Tschetschenien, sowie die Einflussnahme durch russische Oligarchen. Unter Putin wurde außerdem die Auseinandersetzung mit der sowjetischen Vergangenheit Russlands bedeutend weniger kritisch. Auch die Einflussnahme auf die Medien durch Putin und seine Partei „Einiges Russland“ nahm zu. Nach seiner ersten Wiederwahl im Jahr 2004 baute Putin die Macht des russischen Präsidenten weiter aus, indem er unter anderem die Änderung durchsetzte, dass Gouverneure vom Präsidenten vorgeschlagen statt gewählt werden.

Putin und die Demokratie in Russland: Der Präsident unter Kritik

Da das russische Staatsoberhaupt zu diesem Zeitpunkt für lediglich zwei aufeinanderfolgende Amtszeiten an der Spitze Russlands stehen durfte, schlug Putin für die Präsidentschaftswahl 2008 Dmitri Medwedew, damaliger Vize-Ministerpräsident und Gazprom-Aufsichtsratsvorsitzender, als seinen Nachfolger vor. Medwedew gewann die Wahl und nominierte Wladimir Putin wiederum für das Amt des Ministerpräsidenten, was mit über 85 Prozent Parlamentsmehrheit von der Legislative bestätigt wurde.

Nach Medwedews Amtszeit kandidierte Putin erneut für das Präsidentenamt, die er gewann – diesmal für weitere sechs statt nur vier Jahre, ermöglicht durch eine Gesetzesänderung unter Medwedew. Zu diesem Zeitpunkt wurde nicht nur die Kritik aus dem Weste, sondern auch im eigenen Land, immer lauter. Die stärkere Kontrolle russischer Medien, die Einschüchterung und Inhaftierungen sowie sogar Ermordungen von politischen Gegnern waren neben Korruptionsvorwürfen nur einige der Kritikpunkte. Zu den besonders umstrittenen Gesellschaftsthemen zählt noch heute die Anti-Homosexualität-Propaganda, welche die Putin-Regierung seit Jahren durchsetzt.

Ukraine und Trump: Die Außenpolitik Russlands unter Wladimir Putin

Doch auch außenpolitisch ist der Führungsstil von Wladimir Putin heftig umstritten. Eines der wichtigsten Kapitel seiner Amtszeit ist die sogenannte Krim-Krise, die im März 2014 mit der Besetzung der ukrainischen Halbinsel begann und nach wie vor andauert. Da die Annexion der Krim, die auf ein umstrittenes Referendum zurückgeht, mehrere völkerrechtliche Verträge gebrochen hat, haben mehrere westliche Staaten Russland scharf sanktioniert. Der damalige US-Präsident Barack Obama, setzte den Ausschluss Russlands aus den G8-Staaten durch.

Unter Expertinnen und Experten gilt auch ein Eingreifen Russlands in die US-Wahlen im Jahr 2016, bei denen Donald Trump als Sieger gegen Hillary Clinton hervorging, als wahrscheinlich. Vorwürfe der Manipulation der Wahlinfrastruktur sowie gezielte Desinformationskampagnen und Hackerangriffe wurden untersucht und konnten zum Teil bestätigt werden, wie diverse Geheimdienstdokumente in den vergangenen Jahren belegten. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern äußerte sich Trump oft auffällig positiv über die russische Politik und ihren Präsidenten.

Giftanschlag und Verhaftung: Wladimir Putin und Alexej Nawalny

Alexej Nawalny, offener Gegner Putins, wurde in den vergangenen Jahren immer mehr ein Dorn im Auge des russischen Präsidenten. Spätestens seit einem durch russische Geheimdienste ausgeführten Giftanschlag im Sommer 2020 auf den Oppositionellen, ist der Politiker, Dokumentarfilmer und Rechtsanwalt den meisten Menschen ein Begriff. Der 1976 geborene Nawalny war nach einem Anschlag mit dem Nervengift Nowitschok auf einem Inlandsflug über Sibirien zusammengebrochen. Daraufhin wurde der Aktivist in ein künstliches Koma versetzt und auf Initiative seiner Unterstützerinnen und Unterstützer zur Behandlung in Deutschland ausgeflogen.

Trotz großer Bedenken kehrte Nawalny nach seiner Erholung im Januar 2021 nach Russland zurück, wo er noch am Flughafen in Moskau wegen Verstöße gegen Bewährungsauflagen aus einem Jahre zurückliegenden Verfahren festgenommen. Dem Oppositionellen wurde rasch der Prozess gemacht, seit Februar 2021 sitzt Nawalny in einem Gefängnis in Pokrow bei Moskau seine Strafe ab. Organisationen wie Amnesty International sowie der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte kämpfen seitdem um seine Freilassung. Die russische Regierung versuchte unterdessen, Unterstützerinnen und Unterstützer Nawalnys als extremistisch einstufen zu lassen.

Der russische Oppositionelle Alexej Nawalny hat Wladimir Putin in den vergangenen Jahren heftig kritisiert. Mittlerweile sitzt er in Russland in Haft. (Archivbild)
Der russische Oppositionelle Alexej Nawalny hat Wladimir Putin in den vergangenen Jahren heftig kritisiert. Mittlerweile sitzt er in Russland in Haft. (Archivbild) © Pavel Golovkin/dpa

Ukraine-Krieg: Wladimir Putins Überfall auf das Nachbarland

2021 drohte immer wieder eine Eskalation des Ukraine-Konflikts. Bereits Mitte des Jahres positionierte Wladimir Putin russische Militärtruppen an der Grenze im Norden und Osten des Nachbarlandes. Nachdem der Westen den Aufmarsch verurteilte und mit Besorgnis beobachtet hatte, trafen sich US-Präsident Joe Biden und Putin am 16. Juni 2021 zum Gipfeltreffen im schweizerischen Genf. Dort versicherte der russische Staatschef noch, keinen Angriffskrieg zu planen.

Trotz dessen erhöhte Putin den Truppenaufmarsch und warf dem Westen eine „Anspannung der Lage“ vor, etwa indem man sich auf eine Nato-Osterweiterung vorbereiten müsse. Bis Anfang 2022 sollen sich rund 150.000 russische Einheiten an den Grenzen zur Ukraine befunden haben. Am 21. Februar 2022 eskalierte die Situation schließlich, als Wladimir Putin die beiden selbsternannten ukrainischen „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk als unabhängig anerkannte. Bereits drei Tage später, am 24. Februar, gab er den Befehl für den Überfall auf die Ukraine.

Im russischen Staatsfernsehen versuchte der Präsident, die „militärische Spezialoperation“ zu legitimieren. Das Ziel der russischen Invasion sei die „Entmilitarisierung“ und „Entnazifizierung“ der Ukraine. Da ein Genozid am eigenen Volk, also russisch-stämmigen und russischsprachigen Menschen, drohe, müsse das Land von „drogensüchtigen Nazis“ gesäubert werden. Schon in den vergangenen Jahren zeichnete der Kreml das propagandistische Bild einer nationalsozialistischen Ukraine.

Verlängerung der Amtszeit für Wladimir Putin: Russland schaut in ungewisse Zukunft

Es ist unklar, ob Wladimir Putin nach der nächsten Präsidentschaftswahl noch im Amt ist. Eine Wiederwahl wäre rechtlich möglich, allerdings ranken sich Gerüchte um eine mögliche schwere Erkrankung des russischen Präsidenten. Darüber hinaus ist der Ausgang des Ukraine-Kriegs sowie der daraus resultierenden Konsequenzen für die russische Politik noch nicht abzusehen. (nak)

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