Koalitionssuche

Merkel will zügige Gespräche für "stabile Regierung" mit SPD

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Der Forderung der SPD nach einer Bürgerversicherung erteilte Merkel eine Absage. Foto: Michael Kappeler

Mühsam hat sich die SPD zu ergebnisoffenen Gesprächen mit der Union durchgerungen - am Mittwoch soll es losgehen. Die Kanzlerin macht klar, dass in schwierigen Zeiten nicht experimentiert werden sollte.

Berlin (dpa) - CDU-Chefin Angela Merkel setzt angesichts drängender internationaler Herausforderungen auf zügige Gespräche mit der SPD über eine neue große Koalition.

"Wir konzentrieren uns jetzt darauf, dass wir eine stabile Regierung bilden wollen", sagte die Kanzlerin nach Sitzungen der CDU-Spitzengremien in Berlin.

Dies sei die Basis, um am besten mit Frankreich und für Europa arbeiten zu können. "Die Welt wartet eigentlich darauf, dass wir agieren können." Spekulationen über eine Minderheitsregierung der Union, wie sie auch aus den eigenen Reihen geäußert wurden, trat Merkel erneut entgegen.

"Ich gehe mit gutem Mut und auch einer großen Unterstützung in die anstehenden Gespräche mit der Sozialdemokratie", sagte die Kanzlerin. Natürlich gebe es Unterschiede bei den Positionen, aber auch "eine ganze Reihe von Schnittmengen". Der Forderung der SPD nach einer Bürgerversicherung erteilte Merkel eine Absage, da dies die Gefahr einer "Einheitskasse" berge.

Im Gesundheitswesen gebe es daneben aber "eine Vielzahl von Verbesserungen", die sowohl für die Beschäftigten als auch die Patienten erreicht werden könnten. In der Europapolitik gebe es ein "hohes Maß" an Gemeinsamkeiten mit der SPD.

Nach den geplatzten Sondierungen für eine Jamaika-Koalition wollen die Partei- und Fraktionsvorsitzenden von CDU, CSU und SPD an diesem Mittwoch erstmals in kleiner Runde Gemeinsamkeiten ausloten. Ein Parteitag der SPD hatte den Weg für ergebnisoffene Gespräche frei gemacht - dazu gehören als Optionen auch die Duldung einer CDU/CSU-Minderheitsregierung durch die SPD und eine Neuwahl. Über eine Aufnahme von Koalitionsverhandlungen soll bei der SPD wohl im Januar ein Sonderparteitag entscheiden.

Die SPD untermauerte erneut zentrale Forderungen. Generalsekretär Lars Klingbeil sagte im ARD-"Morgenmagazin", wenn Merkel nicht bereit sei, "Milliarden in Bildung zu investieren und den Gesundheits- und Pflegebereich neu aufzustellen (...), dann wird die SPD auch irgendwann sagen, wir können diese Gespräche nicht weiter führen". Eine Konsequenz könnte dann eine Neuwahl sein.

Der Sprecher des linken Flügels der Bundestags-SPD, Matthias Miersch, sagte der "Berliner Zeitung" (Montag), am Ende der Gespräche mit der Union dürfe es inhaltlich "kein Wischiwaschi" geben. "Dann lohnt es sich nicht, in irgendeiner Form vier Jahre zusammenzuarbeiten."

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt forderte, ein neues Bündnis mit der SPD müsse Deutschland "als Zukunftsprojekt beschreiben können und darf keine inhaltliche Patchwork-Koalition mehr sein wie in der Vergangenheit". Sollten Union und SPD nicht zusammenfinden, könne eine Minderheitsregierung "nur ein kurzer Übergang" zu einer Neuwahl sein. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte, die Lage sei "zu ernst" für Experimente. "Wir sollten alle Kräfte hineinsetzen, eine große Koalition zustande zu bringen."

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) warnte seine Partei davor, zu große Hürden beim Thema Flüchtlingsangehörige aufzubauen. "Der Familiennachzug innerhalb von Obergrenzen, wie sie etwa bei den leider gescheiterten Gesprächen über ein Jamaika-Bündnis im Bund bereits verabredet waren, ist ein wichtiges Instrument bei der Integration", sagte er den "Kieler Nachrichten" (Montag). Die SPD fordert eine Wiederzulassung des Nachzugs. Die Union will ihn ausgesetzt lassen und pocht auf einen internen Kompromiss, wonach maximal 200.000 Flüchtlinge pro Jahr aufgenommen werden sollen.

Merkel sagte, mit der SPD könne man im Unterschied zu den Jamaika-Gesprächen zu "klassischen Sondierungen" zurückkehren. Es gehe darum, "Leitplanken" für mögliche Koalitionsverhandlungen festzulegen. "Das kann sehr viel genereller sein." Dies hänge aber auch damit zusammen, dass sich Union und SPD besser kennen. Die gescheiterten Jamaika-Sondierungen dauerten mehr als vier Wochen.

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