Streit um Artenschutz

Thüringer Wolfsmischlingen droht der Tod

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Leuchtende Augen in der Nacht: Wölfin und Wolfshybride auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf. 

Ohrdruf. Mutter Wölfin, Vater Labradorhund: Aus Artenschutzgründen sollen die Hybriden vom Thüringer Truppenübungsplatz Ohrdruf nicht abwandern, sich nicht selbst mit Wölfen paaren.

Sie sind einfach nicht zu fassen: Sechs Wolf-Hund-Mischlinge, Nachkommen der Thüringer Wölfin auf dem Truppenübungsplatz Ohrdruf nahe Gotha und eines Labradorhundes machen seit Monaten einen Bogen um 23 Kasten- und Schlingfallen. Füchse, Vögel, ein Wildschwein und eine Wildkatze haben sich von abgenagten Hirschknochen in die Falle locken lassen, nur die Hybriden nicht, sagte ein Ministeriumssprecher gestern.

Bis Ende Februar sollten sie aber eigentlich gefangen sein. Aus Artenschutzgründen sollen die Hybriden nicht abwandern, sich schon gar nicht selbst mit Wölfen paaren. Der Bärenpark im nordthüringischen Worbis ist als Tierasyl ausgeguckt. Wird es nichts mit dem Einfangen, bleibe nur der Abschuss des Sextetts. Die Genehmigung liegt dem Ministerium vor. Jetzt will Erfurt spätestens bis zum Beginn der Weidesaison Vollzug melden – so oder so.

Die Lebendfallen funktionierten, hieß es weiter. Sie schlügen sogar Alarm auf dem Handy einer Tierärztin, die dann zur Kontrolle ausrückt. 100.000 Euro hat sich Thüringen die Aktion laut MDR bislang kosten lassen.

Allerdings kämen neben Hobbyfotografen auf Hybridensuche auch immer wieder „selbst ernannte Tierschützer“ verbotenerweise auf das Bundeswehrgelände und beschädigten die Fallen. Aus derselben Ecke sollen auch Morddrohungen gegen Jäger und Abschuss-Befürworter stammen. Mit Details ist das Erfurter Umweltministerium derzeit sparsam. Es gebe viele Gerüchte, heißt es dort. Jäger und Wanderer etwa wollen die Ohrdrufer Wölfen und zwei ihrer schwarzen Nachfahren schon hoch im Thüringer Wald bei Oberhof gesichtet haben.

Die Wölfin selbst soll laut Ministerium und sehr zum Missfallen vieler Viehzüchter und Weidetierhalter bleiben dürfen. Das Muttertier soll gefangen und mit einem Sender ausgestattet werden. „Dieses ermöglicht, Bewegungsmuster zu erstellen und beispielsweise zukünftigen Nachwuchs früher feststellen zu können."

2017 waren laut MDR mehrere Dutzend Schafe und Ziegen im Thüringer Wolfsgebiet totgebissen oder durch Bisse verletzt worden. Druck von Weidetierhaltern, die Wolfsrisse beklagen, beschäftigt die Politik auch in Niedersachsens und Brandenburg: Dort haben Landesbehörden am Dienstag den Antrag eines Landwirts auf Abschuss eines ganzen Wolfsrudels im Landkreis Potsdam-Mittelmark abgelehnt.

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