Wölfe: Ost-Bauern machen mobil

Brandenburger Bauern blasen zur Jagd auf Wölfe – hier Exemplare im Tierpark. Archivfoto: dpa

potsdam. Was niedersächsische oder hessische Viehzüchter höchstens mal andeuten, will der Osten umsetzen: Brandenburgs Bauernbund macht gegen Wölfe mobil. Die kleine Konkurrenz des großen Bauernverbands fordert, die Raubtiere zu jagen, „überall dort, wo Menschen und Weidetiere leben“. Bauernbund-Geschäftsführer Reinhard Jung: „Wir wollen aus großen Teilen Brandenburgs eine wolfsfreie Zone machen.“

„Christlich, konservativ, heimatverbunden“ gibt sich der Bauernbund laut Leitbild. Jetzt auch radikal: Gegen Pläne der Potsdamer Landesregierung für besseren Herdenschutz mit Zäunen und Hunden plädiert Jungs Organisation auf Notwehr. Die Weiden flächendeckend durch wirklich wolfssichere Zäune zu schützen, koste 250 Mio. Euro - so wischte Bauernbund-Präsident Marco Hintze Empfehlungen des Landes schon 2016 vom Tisch. Stattdessen verrät die Bauern-Homepage nun: „Schießen, schippen, schweigen - sagen sich inzwischen viele auf dem Lande.“

Faustrecht? Man wolle den Spruch gar nicht bewerten, heißt es bei den Bauern. Aber: „Wir zeigen im Frühjahr rechtlich vertretbare Wege auf, wie man Wölfe auch heute schon ohne offizielle Genehmigung schießen kann“, zitiert die Berliner Zeitung. „Im neuen Jahr müssen wir kämpfen, und zwar richtig“, ahnt Frank Michelchen, Wolfsbeauftragter des Bauernbundes. Am 9. März sollen quer durchs Land zunächst mal Mahnfeuer lodern.

Das Potsdamer Agrar- und Umweltministerium rückt die Überlegungen der Bauern in die Nähe von „Aufrufen zu strafbaren Handlungen“. 29 gerissene Kälber lastet die offizielle Statistik für 2017 den 22 Wolfsrudeln in Brandenburg an. Doppelt so viele sind es, wenn Risse mitgezählt werden, bei denen der Wolf unter Verdacht steht. Wie in ganz Deutschland gilt aber auch hier: „Der Wolf unterliegt dem Naturschutzrecht und darf nicht gejagt werden.“

Wer sich um das Verbot nicht schert, kann mit Bußgeld bis zu 50 000 Euro oder in schweren Fällen mit Haftstrafe von bis zu fünf Jahren rechnen. Falls er sich erwischen lässt, was so gut wie nie passiert. Fünf Wölfe wurden laut Landesregierung zwischen 2014 und 2017 illegal abgeschossen, 39 überfahren.

Man werde Widerstand auf dem Land organisieren, droht Bauernführer Hintze, der selber 80 Mutterkühe auf der Weide hält. Verhandelt habe man genug. Potsdam sei eingeknickt vor der Naturschutz-Lobby, die „mit Wolfspropaganda riesige Spendensummen von Konzernen und ahnungslosen Städtern kassiert“.

Hintzes düstere Prognose fürs eigene Gewerbe: „Mit Ausbreitung des Wolfs wird die Weidetierhaltung, die artgerechteste Form, Tiere zu halten, als wirtschaftliche Größe verschwinden.“ Ein Türchen zum ausnahmsweise legalen Abschuss von „Problemwölfen“ bleibt auch in Brandenburg: Den ersten Antrag dafür hat laut Märkische Zeitung jetzt ein Züchter aus der Mittelmark gestellt. Trotz stromführender Zäune seien Wölfe mehrfach in seine Herde eingebrochen.

Von Wolfgang Riek

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