Nordhessens letzter Neuzugang starb 2011 – 20 Tiere in Niedersachsen

Wölfe auf dem Vormarsch: Erstes Tier in Thüringen

 

Kassel/Hannover. Thüringens Umweltministerium hat jetzt die erste offiziell bestätigte Sichtung eines Wolfes gemeldet. Südlich von Jena trabte das lange aus Deutschland verschwundene Raubtier einem Jagdpächter vor die Videokamera. Experten prüften die Bilder, um Irrtum auszuschließen.

Weitere Sichtungen gab es bislang nicht. Vermutlich, so Ministeriumssprecher Andreas Maruschke, sei der Wolf durchgewandert.

Nach Hessen oder Niedersachsen womöglich. In unserer Region wurde ein Wolf ab 2006 dutzendfach gesichtet. Es stammte aus Sachsen, hat mutmaßlich mit dem letzten Wolfsriss von Schafen aus Südniedersachsen 2008 bei Uslar zu tun, und verendete 2011 an einer Krankheit nahe der Sababurg im Reinhardswald.

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Ein Einwanderer aus Italien wurde im selben Jahr bei Gießen von einem Auto angefahren. Dennoch schaffte es der Wolf bis Rheinland-Pfalz, wo ihm im April 2012 ein Jäger den Garaus machte. Auch eine Jahre früher durch die Region gezogene Gehegewölfin, mal Puck, mal Bärbel genannt, wurde 2003 nahe Hildesheim von einem Jäger erschossen.

Wolfsland im Westen ist Niedersachsen. Drei Rudel mit 20 der scheuen, streng geschützten Tiere gelten hier als nachgewiesen: zwei in der Lüneburger Heide, eines im Wendland - Stand November 2013. In der Heide hatte die erste nachgewiesene Wolfsfamilie 2012 laut Umweltministerium Hannover drei Welpen, 2013 sieben. Ein Einzeltier hat es bis in den Landkreis Cuxhaven geschafft.

Wölfe sind keine Vegetarier. Zwar heißt es in Hannover: „Wir haben verlernt, mit dem Wolf unaufgeregt zu leben.“ Klar ist: Seit 2008 haben Wölfe in Niedersachsen 60 Schafe gerissen. Klar ist auch: Nicht jedes tote Stück Vieh, das dem Wolf angelastet wird, geht wirklich auf sei Konto. Schafhalter bleiben reserviert. Ihr Alptraum, so ein Insider: Der Wolf treibt die Herde durch den Zaun auf die nahe Autobahn.

Wolfsexpertin bei Hessen-Forst ist die Wildbiologin Susanne Jokisch. Bei ihr landen derzeit ein halbes Dutzend Wolfsmeldungen pro Jahr - bestätigen ließ sich in jüngster Zeit keine. Jokisch: „Als Beweis können nur Farbfotos oder genetisches Material dienen.“ Was reizt Wölfe an Niedersachsen? Dazu gibt es Hypothesen, mehr nicht: Auffällig sei, sagt Jokisch, dass die Tiere innerhalb Deutschlands bevorzugt Richtung Nordwesten wandern. Vielleicht, vermutet Jokisch, weil sie im Osten auf alten Truppenübungsplätzen großgeworden sind - und die in der Heide wiedererkennen.

Wolfsmeldeformular Hessen-Forst: http://zu.hna.de/wolfsspur

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