Täglich fließen 12 000 Liter Salzwasser durch das marode Atommüll-Lager Asse

Wohin mit dem Wasser?

Unterirdische Wasserfläche: Eine Mitarbeiterin des Bundesamts für Strahlenschutz im Atommülllager Asse vor einem Wasserauffangbecken. Foto:  dpa

Hannover. Die Zeit drängt: Rund 126 000 Fässer mit Atommüll liegen in der maroden Asse und warten auf ihre Bergung. Seit Januar 2010 arbeiten Experten des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) an der Rückholung. Ein weltweit nie dagewesener Schritt mit ungewissem Ausgang.

Doch damit nicht genug: Täglich dringen knapp 12 000 Liter salzhaltiges Grundwasser aus dem Deckgebirge in die mehr als 100 Jahre alte Schachtanlage ein. Ohne Gegenmaßnahmen droht die Asse abzusaufen. Doch die Entsorgung des Salzwassers ist schwierig.

Seit 2005 wird es in das stillgelegte Bergwerk Mariaglück bei Celle gepumpt - pro Jahr rund 4000 Kubikmeter. Nach Angaben des dortigen Betreibers, der Düngemittelhersteller K+S, wird dies aber in weniger als zwei Jahren nicht mehr möglich sein. „Nach unserem Abschlussbetriebsplan gehen wir davon aus, dass Mariaglück Ende 2013 geflutet sein wird“, sagt K+S-Sprecher Ulrich Göbel.

Das verantwortliche BfS ist sich des Problems bewusst. Eine andere Entsorgung - etwa in Flüsse, Seen oder das Meer - ist rechtlich nicht zulässig. Die gesammelte Salzlauge ist nach Angaben des BfS mit weniger als zehn Becquerel Tritium pro Liter belastet.

„Es handelt sich dabei nicht um radioaktiv kontaminierte Salzwasser“, betont BfS-Sprecher Werner Nording. Doch alleine die Erwähnung der Asse sorge bei vielen Menschen für Stirnrunzeln und Ablehnung. „Wir informieren deshalb nüchtern und sachlich darüber, dass die Salzwässer aus der Asse unbelastet sind.“ Welche Alternativen im Gespräch sind, will das BfS nicht sagen. Nach Angaben des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) befinden sich noch zwei weitere Steinsalz- und Kalibergwerke in Flutung. Zum einen das nur wenige Kilometer entfernte Bergwerk Niedersachsen Riedel und das südwestlich von Hannover gelegene Bergwerk Bergmannssegen Hugo.

Ungeachtet der Suche hinter den Kulissen gehen die Arbeiten unter Tage voran. Derzeit muss das BfS die Auflagen der Genehmigungsbehörde abarbeiten. Als erstes soll Einlagerungskammer 7 in 750 Meter Tiefe angebohrt werden. Danach folgt die Einlagerungskammer 12, vor der sich ein radioaktiv verstrahlter Sumpf angesammelt hat. (lni)

Von Marco Hadem

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