Niedersachsens berühmtester Wolf: Kurti war plötzlich wieder menschenscheu

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Munster. Im Umweltministerium von Hannover nennen sie ihn MT6, der Volksmund hat Niedersachsens berühmtesten Wolf Kurti getauft. Sein Problem: Er kennt keine Menschenscheu.

Wenn er in seinem Revier, dem Truppenübungsplatz Munster, oder in der Umgebung Spaziergängern mit Kinderwagen, Joggern oder Hunden begegnet, läuft er ihnen gern ein Stückchen hinterher.

Normal ist das nicht, vielmehr auffällig, sagen Wolfsexperten. Einen von ihnen, Jens Karlsson aus Schweden, hat Umweltminister Stefan Wenzel jetzt extra anreisen lassen, um Kurti beizukommen. Aus dem Flugzeug hat Karlsson, den Wolfsrüden am Sonntag geortet - Kurti hat ein Senderhalsband um, das seine Standorte und Touren verrät.

Links zum Thema:

- Wolfsportal "Der Wolf in Niedersachsen": Gerüchte im Faktencheck

Dem Tier wieder wölfisches Verhalten beizubringen, Menschenscheu nämlich, hat offenbar nicht so richtig geklappt. Dreimal am Sonntag und fünfmal am Montag konnte Karlsson Kurti laut Landesregierung im Gelände auf den Pelz rücken. Ihn zu vergrämen, dem Tier mit Klatschen, Schreien oder einem Gummigeschoss aus dem Spezialgewehr klarzumachen, dass Wölfe Menschen besser weitläufig umrunden - das fiel hingegen aus.

Kurti machte alle staunen: Näher als 200 Meter ließ er Karlsson nicht an sich heran. Möglicherweise, hieß es hernach, habe das damit zu tun, dass Kurti bei Karlssons Annäherungsversuchen einen zweiten Wolf an seiner Seite hatte. Einen „normalen“ vielleicht. „Bei Paarbildung kann das Verhalten des einen Tieres unter Umständen auf das andere abfärben“, sagte Minister Wenzel dazu.

Jens Karlsson

Eine Vergrämung sei letztlich auch nur in deutlich weniger als 30 Prozent der Fälle erfolgreich, ließ Wolfsexperte Karlsson wissen, bevor er wieder Richtung Schweden davonreiste. Als Fachmann des Swedish Wildlife Damage Centre in Grimsö kennt er sich mit plötzlichen Begegnungen von Mensch und Wildtier aus,auch mit Schäden, die etwa Wölfe unter Weidetieren anrichten. Über Raubtiere, die aus dem Osten nach Deutschland zurückgekehrt sind, wird auch in Schweden debattiert. „In Nordschweden ist es mehr an der Sache, in Südschweden ist es so emotional wie hier“, sagt Karlsson, der den Wolf von Munster im übrigen nicht für gefährlich hält.

Notfalls käme Karlsson wieder, notfalls - wenn Kurti rückfällig würde und wieder Menschen nachläuft - müsste man ihn wegfangen, schlimmstenfalls gar erschießen. Soweit ist es noch nicht. Kurtis Fans haben dem Grünen-Minister vorsorglich schon mal 6000 Unterschriften gegen den Abschuss überreicht. (mit dpa)

Hintergrund: Erster Nachweis im Jahr 2011

Auf den niedersächsischen Truppenübungsplätzen Munster-Nord und Munster-Süd konnten im Jahr 2011 die ersten Nachweise einer residenten Wolfsfähe erbracht werden. Genetische Analysen zeigen mittlerweile, dass das Tier aus dem Nochtener Rudel in Sachsen stammt. Ein zweites Tier konnte in dieser Region erst im Juni 2012 sicher bestätigt werden.

Bis 2015 wurden vier Wüprfe mit insgesamt 20 Welpen nachgewiesen.

Das Rudel beläuft die Truppenübungsplätze Munster-Nord und -Süd. Einzelne Tiere des Rudels werden aber auch außerhalb der Plätze gesichtet, z.B. auf dem Gelände der Rheinmetall AG.

Nach aktuellen Schätzungen leben laut Umweltministerium in Hannover derzeit etwa 50 bis 70 Wölfe in Niedersachsen. Experten gehen von sieben ortstreuen Rudeln, einem Wolfspaar und zwei Einzeltieren aus. Vermutet wird eine jährliche Zuwachsrate von etwa 30 Prozent

Quelle: Landesjägerschaft Niedersachsen/Umweltministerium Hannover

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