Totes Kalb gemeldet

Wolfsriss kurz vor Grenze zu Hessen?

Erfurt/Wiesbaden. Wölfe lieben Truppenübungsplätze. Das ist in Brandenburg oder Niedersachsen nicht anders als in Thüringen: Dort hat das Land jetzt offiziell ein erstes Wolfsgebiet ausgewiesen.

Das reicht mit einem Radius von 30 Kilometern um den alten Truppenübungsplatz Ohrdruf im Osten bis hinter Erfurt, im Westen bis kurz vor Eisenach.

Aus Leimbach im Wartburgkreis wurde Ende Mai ein totes Kalb gemeldet, das dem Wolf zum Opfer gefallen sein soll. Bissspuren deuteten darauf hin, DNA-Beweise seien wegen mangelhafter Proben nicht mehr möglich, hieß es gestern beim Landesamt für Umwelt und Geologie (TLUG) in Jena. Von Leimbach zur Grenze nach Hessen sind es grade mal 15 Kilometer. „Hessen ist zwar kein typisches Wolfsland wie etwa Sachsen, aber auch wir freuen uns, wenn gelegentlich ein Wolf nach Hessen kommt und sind gut vorbereitet“, sagte Ministerin Priska Hinz (Grüne) Mitte März. Kurz zuvor hatte die Polizei einen überfahrenen Wolf an der A 66 nahe Bad Soden-Salmünster gefunden.

Im neu ausgerufenen Thüringer Areal lebt die vermutlich einzige standorttreue Wölfin im Freistaat. Tierhalter in dieser Zone können Vorsorge gegen Wolfsattacken nun mit bis zu 75 Prozent vom Land gefördert bekommen: Spezialzäune und Herdenschutzhunde etwa. Wenn der Wolf trotz solchen Schutzes draußen Tiere reißt, gibt es Schadenersatz vom Freistaat.

Die hobbymäßige Haltung von gefährlichen Raubtieren - Skorpionen, Raubwanzen, Ottern, Bären oder eben Wölfen - hat Hessen 2007 verboten. Freilaufende Wölfe hingegen sind streng geschützt. Noch sind sie nicht wieder da, Umweltministerium und Jägerschaft beschäftigen die grauen Räuber dennoch: Bei einer Diskussion des Landesjagdverbands (LJV) Mitte Februar in Wanfried (Werra-Meißner-Kreis) wurden Sorgen laut, der Wolf könnte „für Schafhalter und Nebenerwerbslandwirte zu existenziellen Problemen führen und den Tourismus in der Region beeinträchtigen“.

Management in Planung

Hessens Umweltministerium arbeitet seit längerem mit Jägern und Naturschutzverbänden an einem Wolfsmanagement-Konzept, wie andere Bundesländer es schon haben,

150 Jahre nach ihrer Ausrottung beziffert die Bundesregierung den Bestand wild lebender Wölfe in Deutschland auf wieder 25 Rudel, acht Paare und drei Einzelwölfe (Stand April 2014). Das besagt die Antwort auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag vom Mai. Illegal getötet, etwa erschossen, wurden seit 1991 danach 22 der streng geschützten Tiere - die meisten in Sachsen und Brandenburg, allein fünf 2014.

Hier können Sie das Papier lesen.

Rubriklistenbild: © dpa

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