Im Steuerstrafprozess gegen den Anwalt war gestern der Tag der Familienfehde

Wolski - Schurke oder Retter?

Michael Wolski

Darmstadt. Als Janusz P. den Gerichtssaal betritt, hat er die Winterstiefel mit gewienerten Schuhen getauscht. Der 56-jährige Orthopäde im dunklen Anzug wirkt wie die Seriosität in Person.

Janusz P. ist der Schwiegersohn des Frankfurter Ehepaars C., das dem Anwalt Michael Wolski (61) über Jahre riesige Summen zukommen ließ. Wolski muss sich seit Oktober 2009 wegen Steuerhinterziehung vor dem Darmstädter Landgericht verantworten.

P. beschuldigt den Ehemann der Staatsgerichtshof-Richterin Karin Wolski, die Eheleute C. ausgenommen zu haben. Er selbst ist davon durchaus betroffen, seine Ehefrau ist die Haupterbin des Vermögens des Paares.

Jahre muss der Mann auf die Chance gewartet haben zu schildern, wie Michael Wolski „über unsere Familie hereingebrochen ist und ein Albtraum begann, den man kaum nachvollziehen kann“.

Wolski, der sich selbst als den Retter der in Schieflage geratenen Immobiliengeschäfte der Eheleute C. sieht, habe eine Affäre mit seiner Schwiegermutter gehabt, die Macht in der Firma und über Margit C. übernommen. Ignatz C, das erkrankte und 2006 verstorbene Familienoberhaupt, hätten beide in ein Seniorenheim „verfrachtet“ und abgeschirmt. Letzterer hätte Wolksi „selten anders als der Schurke genannt“, auf seine Ehefrau aber habe er nichts kommen lassen.

Dass die Zuwendungen seiner Schwiegermutter an Wolski ein Darlehen für seine Leistungen für die Firma gewesen seien, wie Wolski behauptet, hält P. für „sehr, sehr abwegig“. Margit C. und Wolski hätten auch gestritten, „und nach Versöhnungen kam ein Notar und es wurde etwas gekauft“. Nur aus zweiter Hand wisse er, dass Teppiche und Gemälde aus einer aufgelösten Wohnung zu Karin Wolski gebracht worden seien. Sein Informant würde aber wohl „gezwungen werden, sich nicht daran zu erinnern“.

Dass der Arzt selbst einen Brief voll vulgärer Anschuldigungen zu Wolski an seinen Schwiegervater geschrieben hat, erinnert er nicht, meint aber, nachdem er von der Verteidigung verlesen wurde, „manche Ausdrücke könnten zu mir passen“.

In den Akten findet auch das Gericht das Schreiben nicht sofort. „Wir können in die Suchmaschine das Wort „Fresse“ eingeben“, sagt Richter Rainer Buss. Ihn kann offensichtlich nichts mehr erschüttern.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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