Protest gegen Steuer-Wirrwarr: Wütende Wirte verschenken Würstchen

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Hannover. Zum Mitnehmen oder zum hier essen? Bei der Steuerlast für Speisen macht das einen großen Unterschied. Niedersachsens Gastronomen finden das völlig lächerlich - und werfen daher aus Protest Gratis-Currywürste unters Volk.

Hunderte Gastwirte haben am Mittwoch in Hannover mit Gratis-Würstchen gegen verschiedene Mehrwertsteuersätze in der Gastronomie protestiert. Der Präsident des niedersächsischen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, Hermann Kröger, berichtete von "deutlich mehr" als 1000 teilnehmenden Wirten aus ganz Niedersachsen, die sich rund um die Marktkirche in der City versammelten. "Unsere 2000 Currywürste fanden reißenden Absatz", sagte Kröger am Nachmittag nach dem Ende der Verteilaktion in der Landeshauptstadt.

Mit den an Passanten verschenkten Würstchen wollte der Verband darauf hinweisen, dass bei dem beliebten Snack zum Mitnehmen nur 7 Prozent Mehrwertsteuer anfallen, der Fiskus den Genuss der Wurst im Sitzen aber mit dem vollen Satz von 19 Prozent besteuert. Der Dehoga hält diesen Unterschied für "unsinnig und intransparent" und fordert eine Mehrwertbesteuerung von einheitlich 7 Prozent auf alle Speisen.

Der Unterschied ist im Alltag der Gastronomie von erheblicher Bedeutung. Die Schnellrestaurantketten beispielsweise haben für alle Speisen dieselben Preise, ihre Gewinnspanne steigt also, wenn viele Kunden ihre Pommes und Burger mitnehmen und nicht am Tisch aufessen - denn dann müssen nur sieben Prozent an Vater Staat fließen.

Fraglich wäre, welche Auswirkungen eine Reduzierung auf generell sieben Prozent bei Speisen hätte. Theoretisch könnten die Preise für die Kunden dann sinken - oder einfach beim Alten bleiben und die Marge für den Wirt heben. "Wir wissen aber, dass da dann alle genau hinschauen. Das würde kein Rohrkrepierer werden", sagte Kröger.

Oft sind Mehrwertsteuerreformen umstritten. So hatte etwa die schwarz-gelbe Bundesregierung durchgesetzt, dass seit Anfang 2010 für Hotelübernachtungen der ermäßigte Satz gilt. Die Opposition sprach damals von einem klientelpolitischen Geschenk an Hoteliers. (dpa)

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