Wulff in Hannover: Schöne Bilder, offene Fragen

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Bundespräsident Christian Wulff wird von Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister ( CDU) und Hannovers Oberbürgermeister Stefan Weil ( SPD, l-r) am Dienstag in Hannover begrüßt.

Hannover - Der Empfang in der alten Heimat fällt für Christian Wulff freundlich aus. Im Landtag in Hannover wird indes der Landtagswahlkampf eingeläutet - mit Fragen zur Kreditaffäre des Bundespräsidenten.

Als Christian Wulff vor der herrschaftlichen Villa Seligmann aus seiner schweren Dienstlimousine steigt, gibt es weder Applaus noch Buh-Rufe. Freundlich lächelnd begrüßt Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) das Staatsoberhaupt. Die Begrüßung fällt allerdings auch nicht überschäumend herzlich aus. Der Bundespräsident besuchte am Dienstag seine politische Heimat - während die Affäre um seinen Hauskredit, Urlaubsaufenthalte bei befreundeten Unternehmern und seinen Umgang mit den Medien weiter schwelt.

Die Veranstaltung ist streng choreographiert. Die akkreditierten Journalisten dürfen den Festakt im Saal der Villa über Bildschirme in der Etage darüber verfolgen. 90 Medienleute haben sich akkreditiert, die meisten interessiert vor allem die Causa Wulff. Dazu ist McAllister an diesem Tag kein Statement in die Mikrofone zu entlocken. Zuletzt war der Deutsch-Schotte, den der heutige Bundespräsident nach dem Landtagswahlsieg 2003 zum Fraktionschef der Union gemacht hatte, vorsichtig auf Abstand gegangen.

Royaler Besuch auf Schloss Bellevue

Royaler Besuch auf Schloss Bellevue

Zwar nahm er Wulff als Person in Schutz und bezeichnete ihn als Förderer - dieser müsse aber in erster Linie selbst für Aufklärung sorgen. “Sollte es falsche Auskünfte der Landesregierung gegenüber dem Parlament gegeben haben, werden wir sie richtigstellen“, betonte er mit Blick auf die umstrittene Antwort, die Wulff 2010 auf eine Anfrage der Opposition über geschäftliche Beziehungen zum Unternehmer Egon Geerkens gegeben hatte.

Die Eröffnung des Europäischen Zentrums für Jüdische Musik in der renovierten Villa Seligmann ist für Wulff eine Herzensangelegenheit. Seit 1995 kennt er Prof. Andor Izsák, schon als Ministerpräsident unterstützte er dessen Lebenstraum, die Villa zu einem Zentrum jüdischer Kultur zu machen. Es ist ein wichtiges Anliegen, das Wulff mit Leidenschaft verfolgte, wie ihm politische Weggefährten und Gegner bescheinigen.

Bundespräsident Wulff bittet zum Neujahrsempfang - Bilder

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Beim Festakt vor niedersächsischen Politikern, Unternehmern und Vertretern der jüdischen Gemeinde betont Wulff die Bedeutung der jüdischen Kultur in Deutschland. Freundlich lächelnd steht er zwischen Prof. Andor Izsák, dem Direktor des Europäischen Zentrums für Jüdische Musik, und dem Urenkel von Siegmund Seligmann, der in Mexiko lebt. Bei dem Foto- und Kameratermin vor dem von Max Liebermann gemalten Porträt des jüdischen Unternehmers Siegmund Seligmann sind schreibende Journalisten nicht zugelassen.

McAllisters SPD-Herausforderer bei der Landtagswahl 2013, Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil, gibt sich zurückhaltend. Der freudige Anlass, die Eröffnung der Villa, solle nicht überschattet werden. Er sagt aber auch: “Die Diskussion um den früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten empfinde ich als quälend.“ Es werde jetzt sehr viel von Wulff abhängen, dass er für Aufklärung sorgt, meint Weil. Die Sozialdemokraten wittern in dem anhaltenden Streit um die Eignung Wulffs für das Präsidentenamt Chancen für die Landtagswahl in einem Jahr.

Christian Wulffs politisches Leben in Bildern

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In dieser Woche wird im Landtag in Hannover schon der Wahlkampf eingeläutet. Insgesamt 160 Einzelfragen haben SPD und Grüne an die Staatskanzlei gerichtet, von deren Beantwortung sie sich Klarheit über die Vorwürfe an Wulff erhoffen. Die Linksfraktion und die Bundes-SPD setzen derweil auf die Einrichtung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses. Allgemein nimmt der Druck auf den Ex-Regierungschef auch in Niedersachsen zu. In einigen Kreisverbänden der CDU rumort es - insgesamt steht die Partei nach Einschätzung der Landeszentrale aber noch hinter ihrem einstigen Vorsitzenden.

Der Musikwissenschaftler Izsák spricht von einer warmen, freundschaftlichen, innigen Beziehung zu Wulff. “Ich begleite diese ganze Geschichte von Anfang an sehr, sehr besorgt“, sagt der langjährige Weggefährte zur Affäre um das Staatsoberhaupt. “Ich weiß, dass er ein sehr geradliniger, aufrechter Mensch ist. Ich wünsche ihm, dass er diese Fragen klärt.“

Von Jan-Henrik Petermann und Christina Sticht

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