Fleischfabrikanten erweitern Produktpalette in Veggie-Branche

Aus Tier oder vegetarisch? Fleischersatzprodukte sind oft schwer von tierischen Produkten zu unterscheiden. Foto: dpa

Vegetarier, Veganer und Flexitarier bekommen Zuwachs: Immer mehr Menschen kaufen vegetarische Produkte. Die Fleischfabrikanten reagieren darauf und erweitern ihre Produktpalette.

Hähnchen aus Tofu, Bratwurst aus Lupinensaat, Mortadella aus Eiweiß - die Fleischfabrikanten erobern den Markt vegetarischer Lebensmittel. Im vergangenen Jahr haben mehr als elf Millionen Verbraucher Fleischersatzprodukte gekauft. Wenn auch die Fleischwarenindustrie bislang von einer Nische spricht: Die Umsätze vegetarischer Produkte haben sich laut GfK Consumer Index 03/2015 in den vergangenen fünf Jahren fast verdoppelt - von einem Boom ist schon die Rede.

„Die Wurst ist die Zigarette der Zukunft“, sagt Godo Röben, Marketingleiter der Rügenwalder Mühle zum Image der tierischen Wurst. Es sei an der Zeit, sie aus der Schmuddelecke herauszuholen. Seit einem halben Jahr setzt das Familienunternehmen deshalb auf vegetarische Wurst, Frikadellen und Schnitzel. Bis 2020 will das Unternemen sogar rund ein Drittel seines Umsatzes mit fleischfreien Artikeln erzielen.

Röben vergleicht die Produkte mit alkoholfreiem Bier oder Cola ohne Kalorien: „Man muss nicht auf den Geschmack verzichten und hat trotzdem den Gesundheitsaspekt.“ Auf diese Weise habe er seine Überzeugung von Fleischersatzprodukten auch den Fleischermeistern in der Firma nahegebracht. „Das beste alkoholfreie Bier macht auch nicht der Limonadenhersteller, sondern der Bierbrauer.“ Der Clou an den Fleischersatzprodukten ist: Sie sehen so aus wie das Original und sollen auch so schmecken. „Fleischer haben Kompetenz im Würzen, und manche Konsumenten möchten auf den Geschmack von Wurst nicht verzichten“, sagt Stephanie Stragies, Sprecherin des Vegetarierverbands Deutschlands (VEBU). Thomas Vogelsang, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Fleischwarenindustrie (BVDF), hält es nicht für ungewöhnlich, dass sich die Fleischwarenindustrie mit vegetarischen Lebensmitteln befasst. Lebensmitteltechnologen seien dem Rohstoff Fleisch nicht verpflichtet.

Vom Boom könne man nicht sprechen, eher von einem „Revolutiönchen“. Der Hype um die Fleischersatzprodukte spiele sich in den Medien ab. Dennoch: Das Angebot an Fleischersatzprodukten wächst. Darüber freut sich auch der Vegetarierbund und verleiht den Rügenwalder Produkten das VEBU-Siegel. „Wir finden gut, dass die Infrastruktur für Vegetarier und Veganer verbessert wird“, sagt Sprecherin Stragies. Fleischersatzprodukte tragen dazu bei, den Fleischkonsum in der Gesellschaft zu reduzieren.

Wer kauft die Veggie-Produkte? 

Zwar sind laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens Yougov 73 Prozent der Käufer fleischloser Alternativen Vegetarier. Der GfK-Index zeigt aber auf, dass auch viele Fleischesser zu diesen Produkten greifen - aus Gesundheitsaspekten sowie zum Wohle der Tiere und der Nachhaltigkeit. Während die Zahl der über 39-jährigen Käufer laut GfK-Index in den vergangenen vier Jahren etwa gleichgeblieben ist, sind 34 Prozent der Veggie-Käufer unter 39 Jahre alt.

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