Die blutige Spur reicht zurück bis ins Jahr 1979

Wurzeln des Dschihad: Es begann mit Schüssen in Mekka

Nach der Geiselnahme in Mekka: Diese Gruppe vermeintlicher Besetzer wurde nach dem Ende der Kämpfe um die Moschee im Dezember 1979 der Presse vorgeführt. Foto: dpa

Die Attentäter kamen im Morgengrauen. Am 20. November 1979 hatten sich Zehntausende in der Großen Moschee der saudischen Stadt Mekka um die Kaaba versammelt, dem heiligsten Ort des Islam.

Mehrere Hundert Attentäter zogen Waffen, die sie in die Moschee geschmuggelt hatten. Sie erschossen die Wachen und brachten die Gläubigen in ihre Gewalt. So wollten sie das für sie korrupte saudische Königshaus stürzen. Über zwei Wochen brauchte die Armee, um die Geiselnahme zu beenden. Hunderte starben.

Die Geiselnahme war die Geburtsstunde des modernen Dschihad, der vor allem auf Gewalt setzt, um seine Ziele durchzusetzen. Von dem Terrorakt in Saudi-Arabien führt eine direkte Linie zum Angriff auf das Satiremagazin in Paris. Für Osama bin Laden war die Geiselnahme ein Schlüsselerlebnis auf dem Weg in den Krieg gegen Ungläubige.

Nach der Niederlage im Sechstagekrieg gegen Israel 1967 hatten die arabischen Regierungen den Menschen kein sinnstiftendes Angebot mehr zu bieten. Der säkular geprägte arabische Nationalismus hatte ausgedient. Aus seinen „Trümmern“ entstand der Dschihad, wie der Islam-Forscher Gilles Kepel meint. Zwei weitere Ereignisse gaben 1979 radikalen Bewegungen Auftrieb: die Machtübernahme Ajatollah Khomeinis im Iran und der Einmarsch russischer Truppen in Afghanistan.

Vor allem Moskaus Invasion am Hindukusch trug zum Erfolg des Dschihadismus bei. Einmarschiert war die Sowjetarmee, um das kommunistische Regime zu stützen. Doch dort formierte sich schnell Widerstand gegen die Russen. Auch viele Araber folgten dem Ruf, die Ungläubigen von afghanischem Boden zu vertreiben. Der Dschihad in Afghanistan führte viele von den militanten Islamisten zusammen, die später als Top-Terroristen Schlagzeilen machten. Der prominenteste Name: Al-Qaida-Chef Bin Laden. Er ging als Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 in die Geschichte ein.

Dabei hatten die Amerikaner selber den Dschihad in Afghanistan massiv gefördert - und einen Sieg der Mudschaheddin über die Rote Armee wohl erst möglich gemacht.

1996 kamen in Afghanistan die von Pakistan unterstützten Taliban an die Macht. Sie boten Bin Laden Zuflucht. 1998 verübte Al-Qaida Anschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Nairobi, im Jahr 2000 dann auf den Zerstörer USS Cole im Jemen. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 weigerten sich die Taliban, Bin Laden an die USA auszuliefern. Sie läuteten damit den Sturz ihres Regimes ein, nachdem US-geführte Truppen einmarschierten.

Bin Laden fand - wie viele Taliban-Führer auch - in Pakistan Schutz, US-Soldaten gelang es erst 2011, ihn aufzuspüren und zu töten.

Von Afghanistan führt die Spur des Dschihad weiter in den Irak. Am Hindukusch soll in den 1980er-Jahren Abu Mussab al-Sarkawi gekämpft haben. Nach der US-Invasion 2003 führte er im Irak die militante Gruppe an, aus der später die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hervorging. Mittlerweile beherrscht der IS große Teile des Iraks und Syrien.

Seit Jahren terrorisiert der Terrorableger Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) auch den Jemen. Dessen Anführer Nasir al-Wahischi, genannt Abu Baschir, war über Jahre in Afghanistan ein Vertrauter Bin Ladens. Heute betreibt AQAP Terrorlager im Jemen - wo einer der Paris-Attentäter eine Kampfausbildung erhalten haben soll. (dpa)

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