Jugendliche berichten per Videoübertragung von ihrem Leben

Neues Netzwerk Younow: Gefahr aus dem Kinderzimmer

Live-Übertragung aus dem Kinderzimmer: Die Internetplattform „Younow“ nutzen seit Ende 2014 verstärkt Minderjährige. Per Videokamera berichten sie unbeschwert von ihrem Leben und jeder kann zu sehen. Experten warnen vor Gefahren. Foto: dpa

Der Drang zur Selbstdarstellung sorgt für einen Zulauf der Streaming-Plattform "Younow". Vor allem Jugendliche berichten per Live-Video von ihrem Leben - und das birgt Gefahren.

Es soll der Trend bei Teenagern sein. Per Kamera übetragen Jugendliche, teilweise aber auch Kinder, auf der amerikanischen Plattform „Younow“ live von ihrem Leben - und jeder kann zuschauen. Die Plattform gibt es in den USA seit 2011. Seit Ende 2014 sind auch die Nutzerzahlen in Deutschland gestiegen: in den vergangenen zwei Monaten um 250 Prozent. Die Younow-Nutzer in Deutschland brachten es laut dem Magazin „Stern“ im Januar 2015 auf 16 Millionen Live-Streams. Medienexperten und Behörden warnen vor der Sorglosigkeit der der Nutzer: Sie befürchten, dass Pädophilen Tür und Tor geöffnet wird.

Wer Younow anschaltet, sieht vor allem Jugendliche, die in ihrem Zimmer im elterlichen Haus vor dem PC sitzen oder in die Kamera ihres Smartphones reden. Zwar darf man sich offiziell erst ab 13 Jahren anmelden - Falschangaben sollen aber ohne Probleme möglich sein. Die Jugendlichen erzählen von ihrem Leben, Musik, Sport und anderen Dingen, die sie bewegen. Die Zuschauer können sie in einem Chatfenster direkt anschreiben.

Eltern, Medienexperten und Behörden sorgen sich nun um die Sicherheit der meist minderjährigen Nutzer. Die hessischen Behörden haben die Plattform deshalb verstärkt im Blick, wie das Landeskriminalamt (LKA) auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte. Es seien aber noch keine Straftaten bekannt geworden.

Beim LKA in Niedersachsen sei das Thema „Cyber-Grooming“, bekannt, werde aber nicht als Schwerpunkt behandelt. Bei diesem noch neuartigen Begriff geht es kurz gesagt um folgendes: In dem Moment, wo ein volljähriger Zuschauer ein unter 14 Jahre alten Kind bittet, dass es sich ausziehen soll, würde er sich strafbar machen. Man könnte vom Anbahnen sexueller Kontakte sprechen. Das Gesetz dazu existiert bereits seit 2014, ist allerdings seit der Affäre um Sebastian Edathy nochmals in diesem Jahr verschärft worden.

„Keiner würde es zulassen, wenn fremde Erwachsene unsere Kinder in ihren Zimmern besuchen und dazu animieren, sich zu entkleiden. Was wir in der realen Welt nicht zulassen würden, dürfen wir auch nicht im Internet zulassen“, sagte Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann.

Wenn Erwachsene in solchen Netzwerken Kinder und Jugendliche dazu auffordern, sexuelle Handlungen vorzunehmen, dann könnte das mit Blick auf das neu geschaffene Cyber-Grooming-Gesetz, strafbar sein, sagte die Justizministerin.

Aber nicht nur um diese Gefahr geht es: Die Jugendlichen sprechen frei über ihre Probleme, machen sich angreifbar. Cybermobbing könnte die Folge sein. Zudem verraten die Jugendlichen ab und an, wo sie wohnen, sogar mit kompletter Adresse.

Links und Tipps

• Unter www.youngdata.de gibt es von den Datenschutzbeauftragten der Bundesländer Informationen zum Thema Sicherheit bei der Nutzung von Facebook, Whatsapp, Youtube und mehr.

• Informationen zum Thema Cyber-Mobbing und Selbstdarstellung sind unter www.klicksafe.de zu finden.

Von Max Holscher

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