Zahl der Bundeswehr-Opfer in Afghanistan bleibt unklar

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Bundeswehrsoldaten im Einsatz bei Char Darah in der Provinz Kundus in Afghanistan. Foto: Can Merey/Archiv

Berlin (dpa) - Nach dem Ende des Kampfeinsatzes in Afghanistan wird die Zahl der von der Bundeswehr getöteten oder verletzten Menschen wahrscheinlich für immer unklar bleiben. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die der dpa vorliegt.

Im Zeitraum 2010 bis 2014 zahlte die Bundeswehr für einen getöteten und vier verletzte Zivilisten Entschädigungen zwischen 1500 und 7900 Euro. Nach offizieller Auskunft gibt es aber keine zuverlässigen Gesamtzahlen.

Der Kampfeinsatz am Hindukusch wurde nach fast 13 Jahren zum Jahreswechsel 2014/15 für beendet erklärt. Auf deutscher Seite kamen dabei 55 Soldaten ums Leben. Heute beteiligt sich die Bundeswehr noch an einer internationalen Mission zur Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte. Im Einsatz sind dabei bis zu 850 deutsche Soldaten.

Auf die Frage nach einer Gesamtbilanz antwortete das Verteidigungsministerium: "Es liegen der Bundesregierung keine belastbaren Statistiken vor, die Aufschluss über die unter Beteiligung deutscher Einsatzkräfte getöteten oder verletzten Personen geben." Zur Zeit vor 2010 heißt es: ""Für Vorgänge, die länger als fünf Jahre zurückliegen, sind die Akten gemäß den hierfür geltenden Aufbewahrungsvorschriften nicht mehr verfügbar."

In diesen Zeitraum fällt auch die Bombardierung zweier Tanklaster in der Unruheprovinz Kundus, die von der Bundeswehr veranlasst wurde. Dabei wurden im September 2009 etwa 100 Menschen getötet. Den Familien von 90 Opfern wurden jeweils 5000 Dollar (4611 Euro) ausgezahlt. Hinzu kamen 135 000 Euro "Winterhilfe". Dabei handelte es sich um "freiwillige Kompensationszahlungen", ohne dass dies ein Schuldeingeständnis bedeuten soll.

Zur Höhe der Entschädigung im Fall Kundus läuft immer noch ein Rechtsstreit. In erster Instanz scheiterte die Klage auf höhere Entschädigung. Die Berufungsverhandlung findet an diesem Donnerstag in Köln statt.

In seiner Antwort weist das Ministerium Vorwürfe zurück, die Bundeswehr habe auch bei ihrer größten Offensive gegen die radikalislamischen Taliban im Herbst 2010 Zivilisten getötet. Die Jahre 2010 und 2011 waren die Zeit der schwersten Kämpfe für die Bundeswehr in Afghanistan. Der Linke-Abgeordnete Jan van Aken warf der Bundesregierung mangelnden Aufklärungswillen vor. "Die Bundeswehr schaut systematisch weg, wenn es um zivile Opfer geht."

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