Katastrophe mit 230.000 Opfern

Vor zehn Jahren: Tödliche Welle aus dem Nichts

Ein Bild der Verwüstung: Banda Aceh, die Hautpstadt der indonesischen Provinz Aceh im Norden Sumatras, wurde komplett zerstört durch den Tsunami. 170 000 Menschen verloren dort ihr Leben, fast 400 000 Menschen wurden in der Provinz obdachlos. Foto: dpa

Die Katastrophe ereilte die Menschen ohne Vorwarnung: Ein Erdbeben tief unter dem Meeresboden am zweiten Weihnachtstag 2004, das keiner spürte, löste eine riesige Welle aus.

Ihr fielen rund um den Indischen Ozean in 14 Ländern 230.000 Menschen zum Opfer , darunter 539 Deutsche. Millionen von Menschen wurden obdachlos, die Infrastruktur an den Küsten wurde zerstört.

Für viele Touristen auch aus unserer Region sollte es ein Traumurlaub werden -- Ziele wie Patong Beach in der thailändischen Provinz Phuket oder Khao Lak an der Westküste versprachen, den deutschen Winter gegen Sonne und weiße Traumstrände einzutauschen. Doch für die meisten sollte es vor zehn Jahren ein Albtraum werden: Am 26. Dezember 2004, dem zweiten Weihnachtstag, brach ein Tsunami über die Anrainerstaaten des Indischen Ozeans herein und vernichtete viele der Ferienparadiese.

Mancher wunderte sich am Frühstückstisch im Hotel noch über das weit zurückgegangene Wasser; dass es wenig später mit unglaublicher Wucht zurückkommen sollte, ahnte niemand. Nur wer es schaffte, sich auf höhere Häuser zu flüchten oder in Todesangst mit Tausenden kilometerweit ins Landesinnere zu fliehen, verfolgt von den Wassermassen, hatte eine Chance. Auf manchen Inseln verschwanden ganze Dörfer, Tausende von Menschen wurden vermisst.

Die Bilder, die die Zuschauer in Deutschland an den Bildschirmen erreichten, zeigten Verwüstung, in Tücher gehüllte Leichen und panische Menschen, die alles verloren hatten, verzweifelt nach Angehörigen suchten. Kinder sahen ihre Eltern nie wieder, Mütter und Väter hatten ihre Kleinen verloren, obwohl sie glaubten, sie in ihren Armen schützen zu können. Täglich stiegen die Zahlen der Opfer, wurden das unfassbare Ausmaß der Katastrophe und das Leid immer deutlicher. Bis heute sind Manche traumatisiert.

Dass der Tsunami in Sri Lanka das größte Zugunglück aller Zeiten verursachte, ging fast unter: Über 1300 der rund 2000 Fahrgäste waren dort bis zum 3. Januar tot geborgen worden.

Zugleich lief weltweit die größte Hilfsaktion der Geschichte an, selbst kleine, arme Staaten wie Nepal beteiligten sich finanziell. Außenminister Joschka Fischer rief die Menschen auf zu spenden statt Silvesterböller zu kaufen, nach drei Tagen hatten die Deutschen 3,6 Millionen Euro an das Bündnis der Hilfsorganisationen „Aktion Deutschland hilft“ gespendet. Am 3. Januar berichtete die UN über Spenden weltweit in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. Kinder verkauften ihre Weihnachtsgeschenke, Rockstars gaben Benefizkonzerte und doch, so die Klage, kam die Hilfe dort, wo keine Touristen waren, nur schleppend voran.

Am schwierigsten war die Lage in Aceh, der indonesischen Unruheprovinz im Norden Sumatras. Deren Infrastruktur war durch andauernde Kämpfe zwischen Rebellen und Regierungstruppen ohnehin denkbar schlecht, die letzte Verbindung zur Außenwelt wurde durch die Katastrophe weitgehend zerstört. 170.000 Menschen kamen dort ums Leben.

Musste das sein? US-Experten verneinten die Frage schon damals. Ein Frühwarnsystem, wie es in der Pazifikregion existiert, hätte Tausende retten können. (mit dpa)

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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