Interview mit Professor Friedemann Nauck über die Begleitung Schwerkranker

„Zeit ist das Kostbarste“

Besuch am Krankenbett: Dieses Symbolbild zeigt einen Kranken in einem Hospiz. Archivfoto: dpa

Professor Nauck, wie groß ist der Bedarf an ehrenamtlicher Hospizbetreuung in Südniedersachsen?

Friedemann Nauck: Dazu gibt es keine Zahlen. Klar ist aber, der Bedarf ist groß und er wächst: Wir betreuen beispielsweise eine 52-jährige Patientin, um die sich kein Verwandter kümmert. Solche Situationen gibt es zunehmend durch die vielen Single-Haushalte, Scheidungen und den demografischen Wandel.

Sie sprechen auf dem Hospiztag in Bursfelde. Was soll ein solches Treffen bringen?

Nauck: Im Hospizdienst sind Ehrenamtliche tätig, die ihre Zeit und Kraft für die Betreuung Schwerkranker und Sterbender zur Verfügung stellen. Bei dem Treffen geht es um den menschlichen und fachlichen Austausch. Ich werde über Themen wie ärztlich assistierten Suizid sprechen, den ich ablehne. Die Nachfrage zeigt doch, dass viele Menschen Ängste haben, einsam sind und dringend Unterstützung in einer für sie ausweglosen Situation benötigen.

Wie ist die Zusammenarbeit zwischen Profis wie Medizinern und Ehrenamtlichen?

Nauck: Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Wir Ärzte übernehmen die medizinische Behandlung, die Krankenschwestern die Pflege, Psychotherapeuten und Pfarrer helfen psychologisch und seelsorgerisch. Der Engel vom Ehrenamt kommt dann zusätzlich ins Spiel: Er spricht mit dem Patienten, sitzt am Bett und entlastet so auch Angehörige. Denn Zeit ist das Kostbarste, was wir haben.

Welche Probleme gibt es im Hospizbereich?

Nauck: Fachleute spezialisieren sich immer weiter und vergessen dabei die Ehrenamtlichen. Deshalb müssen wir das Thema lehren. Im Medizinstudium muss ab 2013/14 jeder Student einen Schein in Palliativmedizin vorweisen. Dies brauchen wir auch in den pflegerischen Berufen.

Wie sieht die Zukunft der Palliativmedizin in Deutschland aus?

Nauck: Wir brauchen Palliativmedizin bei jedem schwerkranken Patienten, nicht nur bei Krebskranken. Auch Alte und Demenzkranke in Pflegeeinrichtungen müssen palliativmedizinisch versorgt werden.

Die Betreuung darf auch nicht erst in der Sterbephase beginnen. Wir brauchen dabei dringend die Ehrenamtlichen. Was mir besonders wichtig ist: Sie dürfen kein Mittel sein, um Geld zu sparen oder Fachpersonal zu ersetzen, sondern ergänzen das multidisziplinäre Hospiz- und Palliativteam.

Von Göran Gehlen

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